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Wenn einmal das Portrait von Ady Zehnpfennig
ansteht, dann würde ich mich freuen, wenn Du mich damit beauftragen
würdest“. Mit dieser Bitte wandte ich mich schon vor einiger Zeit an
unseren Chefredakteur Andreas Mautner. In der Tat: Dass ich mich anno 1979
derart mit dem Orgelvirus infizierte (und dieser Zustand auch noch bis
heute ungebrochen anhält) ist nicht zuletzt die „Schuld“ dieses Künstlers.
In einer meiner ersten Orgelstunden legte mein Orgellehrer eine
Schallplatte mit dem Titel „Die schönsten Melodien aus Russland“ auf den
Plattenteller und forderte uns (ich teilte den Unterricht mit einem
Jugendfreund) auf, einmal auf die Arrangements zu achten. Und als dann die
ersten Takte der „Kosakenpatrouille“ erklangen ... Klick!
Seine letzten Orgelkonzerte liegen schon einige Jahre zurück und auch der
letzte Tonträger „Flug der Leidenschaft“ - eigentlich gar keine richtige
Orgel-CD - ist auch schon ein Weilchen her. Betrachten wir deshalb einmal
die Entwicklung des Musikers Ady Zehnpfennig vom Orgel-Virtuosen zum
Studio-Musiker, Arrangeur und Produzenten, als der er heute in erster
Linie tätig ist, und befragen wir ihn zu seiner jetzigen Tätigkeit, zu
Perspektiven und kommenden Projekten.
Geboren wurde Ady Zehnpfennig am 17.02.1949 in Kerpen bei Köln, der Stadt
also, die auch Adolf Kolping sowie Michael und Ralf Schumacher
hervorgebracht hat. Die Musikbegeisterung der Eltern übertrug sich schon
bald auf die Kinder und der kleine Ady machte - und diese später auf
einigen LP-Hüllen veröffentlichte Geschichte ist wirklich wahr - seine
ersten musikalischen Gehversuche auf einer gefundenen Mundharmonika: „Es
war zwar nicht besonders hygienisch, aber mit ein bisschen Wasser war mein
auf einer Kirmes gefundenes Instrument wieder betriebsfertig“. Mit der (Kirchen-)Orgel
kam übrigens zunächst nur der älteste der drei Zehnpfennig-Brüder in
Berührung. Aber so bot sich auch den beiden Jüngeren bisweilen die
Gelegenheit, mit auf die Orgelempore zu steigen und dem imposanten Klang
zu lauschen.
Zum Weihnachtsfest des Jahres 1958 bekam Ady sein erstes „richtiges“
Instrument, ein Akkordeon. Es folgte eine mehrjährige Ausbildung auf
diesem Instrument, und das Akkordeon wurde für Ady zum ständigen
Begleiter. Mit einem solchen Instrument war man immer im Mittelpunkt - der
Stimmungsmacher. So dauerte es auch nicht mehr lange, bis zusammen mit
einem befreundeten Schlagzeuger die ersten öffentlichen Auftritte folgten.
Dabei kam dann schon richtig Geld zusammen. Jede Mark wurde gespart, denn
längst war bei Ady der Wunsch gereift, seine „Quetsche“ gegen ein anderes
Instrument zu tauschen - genau, eine Orgel! Und so konnte er schon bald
stolz darauf sein, weit und breit einer der Ersten mit einem solchen
Instrument zu sein, einer richtig „showmäßig“ in knallig rotes Kunstleder
verpackten Farfisa, sogar mit Fußpedal. Es wurden kurzerhand dazu passende
„silberglitzernde“ Anzüge gekauft und unter dem Namen „The White Tornados“
wurde Ady’s damalige Band zu einer der bekanntesten Tanzcombos im Umkreis.
Im Jahre 1965 eröffnete in Köln ein neues Musikgeschäft, dass sich (ja, so
was gab es damals!) auf den Verkauf von elektronischen Orgeln
spezialisiert hatte. Eines Tages betrat Ady dieses Geschäft und traute
seinen Ohren nicht. Es wurde eine echte Hammond-Orgel vorgeführt und Ady
fand den Sound, den er immer suchte. Aufgrund der guten Einkünfte aus den
Engagements dauerte es dann auch nicht mehr lange, bis er seine erste
eigene Hammond-Orgel, eine M-100 mit Stummelpedal, nach Hause „tragen“
durfte. Und so wurde der junge Musiker eine doch recht exotische Ausnahme
im exklusiven Kreis der Orgelfreunde, waren es doch in erster Linie
gutbetuchte Leute, die sich ein solches Instrument leisten konnten. In
dieser Zeit erlebte Ady erstmals ein Konzert von Klaus Wunderlich an der
Hammond-Orgel. Wie viele Toporganisten, die Wunderlich folgten, bekennt
sich übrigens auch Ady Zehnpfennig heute noch offen zu den damals nicht
unerheblichen Einflüssen Wunderlichs auf den eigenen Stil: „Wunderlich
spielte anders, - moderner, rhythmischer. Er hat die Spielweise auf der
elektronischen Orgel maßgeblich beeinflusst, sogar in den Ursprungsländern
der Orgel, England und Amerika, wo eigentlich der Spielstil der
Theaterorgel übernommen wurde. Wir jungen Organisten haben seinen
Spielstil übernommen und in die ganze Welt getragen. Nur so ist es zu
erklären, dass diese neue Generation bei Konzerten und Festivals
regelrecht ‚abgeräumt’ hat. Wir haben einfach den frischeren,
unkomplizierteren Stil gespielt.“ Aber auch für die übrigen Organisten der
Zeit hatte Ady Zehnpfennig stets ein offenes Ohr und versuchte, von ihnen
zu lernen.
Ende der 60er Jahre absolvierte Ady eine zweite Lehre (eine Ausbildung in
einem kaufmännischen Betrieb war vorausgegangen) in einem Kölner
Musikhaus, Ausbildungsziel: Musikalienhändler. Hier war er - wie sollte es
anders sein - in erster Linie für die Orgelabteilung zuständig. Aufgrund
der täglichen Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Modellen, aber
auch mit den Kunden, die das Geschäft aufsuchten, verstand er es bald, die
Möglichkeiten der Instrumente so zur Geltung zu bringen, dass die Zuhörer
in Staunen versetzt wurde. Die hier gewonnenen Erkenntnisse haben seinen
weiteren Weg zum Konzertorganisten entscheidend mit geformt. Hinzu kamen
die Erfahrungen aus vielen musikalischen Aktivitäten, unter anderem aus
Auftritten als Profi-Duo zusammen mit einem Schlagzeuger in einem Kölner
Nachtlokal. Hier kam dann auch die Hammond A-100 mit Leslie zum Einsatz,
die Ady sich zwischenzeitlich gekauft hatte. - Dieses Instrument
verrichtet übrigens heute noch seinen Dienst in einem bekannten Kölner
Tonstudio und durfte dort auch schon bei der Produktion einiger Hits
mitwirken.
Es kam das Jahr 1968. Im April war Ady als Vorführer auf einer großen
Kölner Verbrauchermesse tätig. Hier stellten auch die beiden deutschen
Selbstbau-Orgelfirmen Dr. Böhm und Wersi aus und so lernte Ady Zehnpfennig
erstmals die Gebrüder Franz von Wersi sowie Herrn Dr. Rainer Böhm kennen.
Beide Firmen signalisierten bereits hier ein offenes Ohr für eine
Zusammenarbeit. Doch Ady, dem auch Angebote anderer renommierter
Hersteller wie Farfisa oder Hohner vorlagen, mochte sich zu dieser Zeit
noch nicht auf eine bestimmte Orgelfirma festlegen, zumal er in seinem Job
in dem Kölner Musikhaus eigentlich ganz glücklich war. So blieb es
zunächst bei den freundschaftlichen Kontakten und dem Versprechen: „Wir
machen mal etwas zusammen“.
Doch dann folgte im Jahre 1969 ein folgenschwerer Anruf des damaligen
Chefs des deutschen Farfisa-Vertriebs. Ein Organist für die Demonstration
der damals neuesten Modelle war ausgefallen, und man fragte Ady, ob er
einspringen könne. Er sagte zu, und unter einer gehörigen Portion
Lampenfieber absolvierte Ady Zehnpfennig kurze Zeit später sein erstes
Orgelkonzert auf Farfisa-Orgeln in Mainz.
Etwa zur gleichen Zeit schlug er allerdings eine Einladung der Firma
Hammond zu einem Festival (es wurden nur handverlesene Organisten
persönlich eingeladen) lieber aus: „Da habe ich mich einfach nicht getraut
und bin nicht hingefahren“. Den ersten Preis, einen Plattenvertrag,
erhielt dort übrigens ein anderer: Franz Lambert.
Für Ady tat sich zu dieser Zeit aber noch ein weiteres Betätigungsfeld
auf, dass auch zukünftig für ihn eine immer größere Bedeutung bekommen
sollte, der Bereich der Studiotechnik. Er sammelte hier erste Erfahrungen
bei der Erstellung von Radio-Jingles und-Spots für den Sender der
britischen Rheinarmee BFBS Cologne. Hier lernte er erstmals etwas über
Hallplatten, Equalizer und verschiedene Aufnahmetricks.
Zu Beginn des Jahres 1970 erreichte Ady eine telefonische Anfrage von
Herrn Dr. Rainer Böhm aus Minden. Thema: Die Aufnahme einer Schallplatte
mit seinen Orgeln. Die Titelauswahl und Arrangements durfte Ady sogar
selbst festlegen. Und so entstand die erste Ady Zehnpfennig-LP, eine
Vorführplatte mit unzähligen Titelfragmenten und Zwischenmoderationen
durch Herrn Dr. Böhm persönlich, aufgenommen direkt in den Vorführräumen
der Firma Dr. Böhm. Nachdem die Platte erschienen war, hörte Ady zunächst
einige Zeit nichts mehr aus Minden. Da das Musikgeschäft in Köln
aufgegeben wurde, überlegte er, ob er das Angebot eines Engagements als
Profimusiker in der Schweiz aufnehmen sollte. Schließlich hatte er
zwischenzeitlich auch geheiratet und 1968 wurde seine Tochter, heute
selbst eine talentierte Hobbymusikerin, geboren. Aber es kam anders:
Erneut meldete sich Dr. Böhm und hatte Größeres mit dem jungen Talent vor:
Es ging um eine weitere Schallplattenproduktion, diesmal mit dem gerade
neu entwickelten „Böhmat“, der berühmten weltersten
Einfinger-Begleitautomatik. Außerdem wurde Ady eine langfristige
Zusammenarbeit im Bereich von Konzerten, Messevorführungen und weiteren
Schallplatten angeboten. Der Vertrag wurde geschlossen und die für
damalige Verhältnisse sehr interessant klingende LP „Goldene Zeiten“,
aufgenommen sogar schon im Studio der EMI Electrola, wurde ein großer
Erfolg. Zu dieser Zeit wurden die Platten übrigens fast noch komplett live
auf ein 2-Spur-Bandgerät eingespielt. Welcher Künstler würde das heute
noch wagen? Nur hin und wieder wurden auf einer Playbackspur ergänzende
Effekte aufgenommen.
Neben der LP-Produktion begann Ady im Jahre 1971 dann auch bei Dr. Böhm
seine Karriere als Konzertorganist. Das erste Konzert für Dr. Böhm fand in
Hamm in Westfalen statt. Das Programm war eine Zusammenstellung in der
bereits von Klaus Wunderlich und anderen erprobten Mischung: Eine
Ouvertüre, ein Musical-Medley, etwas sakrale Musik wie die d-moll-Toccata,
einige Tageshits sowie natürlich Auszüge aus der neuen LP. Von Anfang an
übernahm Ady die Moderation der Konzerte selbst, so dass er sich auch auf
diesem Gebiet durch eigene Erfahrungen weiter perfektionieren konnte.
„Eigentlich wurde ich damals von Dr. Böhm ins ‚kalte Wasser’ geworfen.
Aber ich hatte von Anfang an den Drang, mich auf der Bühne darzustellen.
Das muss, denke ich, auch so sein. Ich hatte früher sogar einmal
Ambitionen, Schauspieler zu werden.“ Diese Ambition sollte später, ca.
1989, sogar zu einer kleinen Rolle in einer Folge der damals aktuellen
Fernsehserie „Moselbrück“ führen. Ady spielte - wie sollte es anders sein
- einen Alleinunterhalter!
In den folgenden Jahren der bis 1981 andauernden Zusammenarbeit mit Dr.
Böhm absolvierte Ady Zehnpfennig jährlich ca. 60 Konzerte. Sein
Markenzeichen wurde die lockere, teilweise gar kabarettistische Art der
Präsentation auf der Bühne, gepaart mit perfekter musikalischer
Interpretation. Für damalige Verhältnisse völlig neu in Orgelkonzerten
waren etwa die bei Popstücken von Ady bevorzugte stehende Spielweise an
einer schräg gestellten Orgel oder auch gesangliche Einlagen, meist zu
Beginn oder Ende des Programms. Neben den Konzerten standen natürlich
Messe-Vorführungen, Ladenpartys und sonstige Einsätze auf dem Programm.
Seine Engagements für Dr. Böhm führten Ady regelmäßig durch Deutschland
und ganz Europa. Der spritzige, unverbrauchte Stil kam an, und so
etablierte sich der Name Ady Zehnpfennig als Garant für perfekte
Orgelmusik schnell neben den bekannten Größen der Szene wie Klaus
Wunderlich oder Franz Lambert. Auffällig war auch die Art der bereits in
dieser Zeit entstandenen mehr als 20 Langspielplatten. Ady gehörte neben
Klaus Wunderlich (den Ady übrigens heute noch als „unser aller Vater“
bezeichnet) von Anfang an zu den wenigen Organisten, die ihre LP’s nicht
nur spielten, sondern durchweg auch selbst arrangierten, später auch
produzierten. Zu jedem Titel wurde das entsprechende Arrangement zunächst
auf Notenpapier gebracht. Die meisten dieser Partituren existieren auch
heute noch in Ady’s Archiv. Die Aufnahmen erfolgten zunächst in einfacher
2-Spur-Technik. Ab Mitte der 70er Jahre entstanden dann die ersten
Aufnahmen mit begleitender Rhythmusgruppe, jetzt in 8-Spur-Technik. Ab
1980 produzierte Ady dann in seinem eigenen, zunächst 16 Spuren
umfassenden Studio (mehr dazu weiter unten), dass ungleich besser
ausgestattet war, als dass bis dahin genutzte firmeneigene Aufnahmestudio
der Firma Dr. Böhm. Bei allen seinen Plattenproduktionen schöpfte er die
Möglichkeiten seiner Instrumente bis ins Letzte aus, und heraus kamen
viele Aufnahmen, die sich aufgrund des individuellen Stils, der
feinfühligen Abstimmung der Registrierungen und Arrangements aber auch der
vielen versteckten musikalischen Details und Gags deutlich von anderen
Orgelproduktionen abhoben und sicher zum Erfolg der Dr.-Böhm-Orgeln
beitrugen.
Neben seiner Tätigkeit als Konzertorganist war Ady Zehnpfennig stets
bemüht, die Studioszene nicht aus den Augen zu verlieren. Bereits Mitte
der 70er Jahre erreichte ihn eine Anfrage des Kölner „Tonstudios am Dom“.
Es wurde ein Arrangement für einen Titel gesucht, der mit einem begabten
11-jährigen Jungen in Deutschland veröffentlicht werden sollte. Es wurde
ein Arrangement für Rhythmusgruppe, Chor und Streicher benötigt. Ady hatte
zwar, wie bereits erwähnt, von Anfang an die Arrangements für seine
Platten selbst geschrieben, aber eben hier nur für Orgel und ggf.
Rhythmusgruppe. Also setzte er sich hin, probierte die Streicher an der
Orgel aus und schrieb die Partitur nieder. Das Ergebnis kam an und so
wurde Ady in der folgenden Zeit als Arrangeur noch oftmals engagiert.
Viele seiner heutigen Kenntnisse über die Studiotechnik und -arbeit hat
Ady übrigens in dieser Zeit der Zusammenarbeit mit dem „Tonstudio am Dom“
gesammelt. Auch Orgelproduktionen sind dort entstanden, teils unter dem
damals neu kreierten Pseudonym „Andy Dimes“ (Anm.: engl. „dime“ =
Zehn-Cent-Stück). Als das Tonstudio sich zu einer Vergrößerung der Technik
entschloss, kaufte Ady kurzentschlossen die nicht mehr benötigte
16-Spur-Anlage auf. Das war die Gründung seines eigenen Privatstudios,
dass er heute unter dem Namen „Azure“-Studio betreibt. Zunächst war es im
privaten Einfamilienhaus untergebracht, wich dann nach Vergrößerung auf 24
Spuren in ein leerstehendes Nachbarhaus aus, um dann nach kurzer Zeit auf
den noch heute bestehenden Standplatz bei der „Bigband der Bundeswehr“ in
Euskirchen zu wechseln. Der Kontakt wurde übrigens durch den bereits aus
Dr.-Böhm-Zeiten bekannten Tontechniker Udo Gering hergestellt, mit dem Ady
bereits im Kölner Cornet-Studio häufiger zusammengearbeitet hatte und der
dann - damals noch von Guenther Noris - als Live-Tontechniker der
Bundeswehr-Bigband verpflichtet wurde. „Da wurde ein richtiger Vertrag
gemacht, der sogar vom Verteidigungsminister abgesegnet wurde. Der
Grundgedanke war: Die Bigband darf mein Studio nutzen und darauf
produzieren; im Gegenzug kann ich die Räumlichkeiten kostenfrei nutzen.
Eine Zusammenarbeit, die sich bis heute für beide Seiten bewährt hat.“ In
diesem Studio hat Ady Zehnpfennig konsequent den Weg des Musikproduzenten
bis heute weiterverfolgt und auch seinen Erfolg auf diesem Sektor
gefestigt - zunächst in der neuen Volksmusikwelle, später auch in den
Bereichen der Fernsehmusik und im Schlager.
Aber zunächst zurück zu Ady’s Tätigkeit als Konzertorganist. Anfang der
80er Jahre wurde die Anzahl der Konzerte bei Dr. Böhm, aber auch bei
anderen Firmen, deutlich reduziert. Die Zeiten der ausgedehnten Tourneen
wie in den Orgelboom-Jahren der 70er waren vorbei. Dazu kam, dass sich bei
Dr. Böhm bereits ein Verkauf der Firma und damit ein Managementwechsel
ankündigte. Ady entschloss sich im Vorfeld, seinen Vertrag nach
10-jähriger Zusammenarbeit aufzulösen und stieg mit dem Ablauf des Jahres
1981 bei Dr. Böhm aus. Die Verbindungen zum Haus Böhm sind aber nie ganz
abgerissen. Und auch eine weiße DnT-Orgel (natürlich selbstgebaut)
befindet sich bis heute in seinem Besitz und kommt sogar - als Sinusorgel
- hier und da noch einmal bei Produktionen zum Einsatz.
Kurz nach Beendigung der Tätigkeit für Dr. Böhm erhielt Ady einen Anruf
von Wersi. Man zeigte Interesse an einer Zusammenarbeit und so kam es 1982
zum Vertragsabschluss. Der Vertrag hatte ähnliche Bedingungen wie
seinerzeit bei Dr. Böhm. Auch für diese Firma standen LP-Produktionen,
mehrere Konzerttourneen (u.a. auch in England und den USA) und zahlreiche
andere Engagements wie Ladenparties und Demo-Veranstaltungen auf dem
Programm. In diese Zeit fällt auch der erste „Achtungserfolg“ für den
Komponisten Ady Zehnpfennig. Es war der Titel „Marco Polo“, gespielt auf
der Wersi-Orgel „Comet“. Der Titel lief, nicht alltäglich für eine
Orgelnummer, sogar in verschiedenen Diskotheken in Deutschland, aber auch
im Rundfunk und Fernsehen. In Finnland erreichte die Cover-Version eines
finnischen Musikers sogar Platz 2 der dortigen Charts. Ab 1984 hatte Ady
Zehnpfennig im Rahmen seiner Zusammenarbeit mit Wersi auch seine ersten
größeren Fernsehauftritte, die wiederum neue Kontakte und Verbindungen für
ihn auftaten. So entwickelte sich in dieser Zeit über den damaligen Leiter
der Wersi Music Production (damals als Subunternehmen der Wersi GmbH noch
Künstleragentur und Musikverlag) Jürgen Hohmann u.a. die enge
Zusammenarbeit mit Dieter Thomas Heck, in dessen Shows Ady regelmäßig mit
der „gläsernen“ Wersi Delta bzw. später Atlantis zu sehen war. „Da war das
Orchester Dieter Reith, alles sehr gute Musiker. Aber die Kameras waren
ständig bei mir, fasziniert von dieser gläsernen Orgel.“ Damals wurde
übrigens großteils auch noch live gespielt. Später wurde Ady von Dieter
Thomas Heck aufgefordert: „Such Dir doch noch 10 Musiker, die so sind wie
Du, immer gut drauf, und dann macht ihr selbst das Orchester.“ So entstand
für die Fernseh-Engagements das „Orchester Ady Zehnpfennig“, ein
10-Mann-Ensemble, dass heute noch regelmässig in den Fernsehshows von
Dieter Thomas Heck präsent ist. Für diese Shows ist Ady übrigens
mittlerweile regelmässig als Musikregisseur auch hinter den Kulissen im
Einsatz. Weitere Auftritte folgten als Solist oder im Ensemble bei
Fernsehsendungen wie etwa „Der große Preis“, „ZDF-Fernsehgarten“, „Ihr
Einsatz bitte“ oder in der Karl-Dall-Show bei RTL. Dabei war Ady übrigens
nicht nur als Organist oder Keyboarder zu sehen, sondern hatte, teilweise
auch unter Pseudonym, hier und da auch mal Auftritte als Panflötist oder
Akkordeonist. Über die regelmässige Bildschirmpräsenz wurde Ady auch bei
den Verantwortlichen des Fernsehens bekannter, und so folgten alsbald auch
von dort vermehrt Aufträge, etwa für die Hintergrundmusik zu
Fernsehfilmen.
Doch noch einmal zurück zur Orgel: In den Jahren 1984 bis 1988 ging das
allgemeine Interesse an der Orgel zugunsten des aufkommenden
Keyboard-Booms zurück. Die Zahl der Konzerte nahm weiter ab, die Tourneen
wurden schließlich ganz eingestellt. Als sich die Engagements immer mehr
auf Ladenpartys und ähnliche Veranstaltungen reduzierten, beendete Ady
Zehnpfennig seinen Vertrag mit Wersi. Es folgten auch nach Beendigung der
vertraglichen Bindung noch einige LP-/CD-Produktionen, an denen
Wersi-Instrumente beteiligt waren. Darüber hinaus sind innerhalb der
letzten 10 Jahre auch immer wieder vereinzelte Orgelproduktionen mit
verschiedenen Orgeln in Ady’s Studio entstanden, sei es im Rahmen einer
Studio-Betreuung für andere Organisten (u. a. nahm Robert Bartha 1987
seine erste LP hier auf einer Böhm MD 1030 auf) oder auch in Form eigener
Veröffentlichungen. Und im Jahr 1994 schaffte es die Firma Taiyo, ihres
Zeichens der deutsche Vertreiber der Technics-Orgeln und -Keyboards,
sogar, Ady neben der Produktion einer CD mit der damals neuen GA-3-Orgel
noch einmal für eine kleine Konzerttournee zu verpflichten.
Ady Zehnpfennig’s eigentliches Aufgabengebiet hat sich aber im Laufe der
Jahre eindeutig zugunsten der Studiotätigkeit verändert. Er war hier einer
der ersten, der die Möglichkeiten der modernen Synthesizer und Sampler in
die Volksmusik einbrachte. Es folgten zahlreiche Projekte mit
verschiedenen Künstlern wie Heino, Bianca, Edith Prock, Guenter Wewel,
Chris Andrews und anderen. Bereits 1988 hatte Ady mit den beiden
„Millionenhits“ „Die Rosen der Madonna“ und „Hörst Du die Glocken von
Stella Maria“ als Komponist beachtliche Erfolge, die sich unter anderem
sogar in einer Platin-Schallplatte widerspiegelten. Diese ziert heute noch
die Wand des Euskircherner Studios. Stolz ist er auch auf die ihm im Jahr
1993 von der Robert-Stolz-Gesellschaft verliehenen Auszeichnung für ein
Robert-Stolz-Medley, dass er für das ZDF erstellt hatte.
Aufbauend auf diese Erfolge hat er seinen Weg bis heute stetig
fortgesetzt. Dabei ist es für einen Produzenten immer auch wichtig, das
Ohr am Sound der Zeit zu haben. Befragt danach, ob er mit der - teilweise
doch als belanglose „Heile-Welt“-Musik abgestempelten - Schlager- und
Volksmusik Identifizierungsprobleme habe, gibt Ady an: „Ich gehe die
Produktion eines Volksmusiktitels mit genau der gleichen Sorgfalt an, wie
etwa eine große Pop-Produktion. Viele Elemente der jeweils aktuellen
Musikströmungen fließen in diese Produktionen mit ein, und du musst immer
aktuell bleiben und mitbekommen, was gerade ‚State of the art’ im
aktuellen Musikgeschehen ist. Wir machen hier sicher keinen ‚Pipi-Kram’
sondern anständige, handwerklich saubere Arbeit. Sicher gibt es in der
musikalischen Qualität der Künstler, mit denen ich zu tun habe und die zu
produzieren ich beauftragt werde Unterschiede. Die habe ich in solchen
Fällen aber nicht zu hinterfragen. Ich gebe einfach in jedem Fall mein
Bestes, um ein gutes Produkt abzuliefern.“
Und was hört Ady Zehnpfennig privat? „Mich interessiert eigentlich jede
Art von Musik. Ob es nun Dance, Tekkno, Schlager, volkstümliches oder auch
mal Hardrock ist.“ Zum Entspannen legt Ady auch gerne Klassisches auf.
Vielleicht liest er dabei ein Buch über römische Archäologie, neben der
Musik eine seiner größten Leidenschaften; natürlich nur, wenn die Musik
ihm dazu Zeit lässt.
Aktuell kann sich Ady über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen. Zur Zeit
sind Projekte, u. a. mit Cindy und Bert, Bianca und anderen Künstlern
geplant bzw. bereits in Arbeit. Außerdem wird Ady als Organist auf der von
Robert Bartha und OKEY!-Chef Andreas Mautner produzierten CD „Organ
Allstars play Klaus Wunderlich“, die im Herbst auf dem OKEY!-eigenen Label
MANUAL MUSIC erscheint, mit einem Beitrag vertreten sein. Und, das sei
hier auch schon verraten: Auch eine komplett neue Orgelproduktion mit Ady
Zehnpfennig ist bereits in Arbeit und wird im Herbst ebenfalls bei MANUAL
MUSIC erscheinen. Das Programm wird ein bunter Querschnitt durch die
großen internationalen Hits der letzten 30 Jahre sein, gespielt auf der
Wersi Vegas. Als besonderes Schmankerl wird die CD übrigens eine
Neueinspielung von Ady’s Erfolgstitel „Marco Polo“ aus 1982 enthalten, bei
der auch die gute alte Wersi COMET, auf der dieser Titel damals
eingespielt wurde, wieder zum Einsatz kommen wird. Die Fans dürfen also
gespannt sein!
Und wie verhält es sich mit Konzerten? „Ich würde gerne wieder das eine
oder andere Konzert machen, wobei ich aber heute andere Ansprüche stellen
würde als damals. Ich denke als Arrangeur und würde bei den heutigen
Orgeln die Möglichkeit, auch komplexe eigene Begleitarrangements oder
Waves nutzen zu können, in Anspruch nehmen, um das musikalische Ergebnis
perfekter zu machen. Sicher steht man sich dabei aber auch schnell selbst
im Wege, denn ein unmittelbarer Eingriff in den musikalischen Ablauf ist
dabei natürlich schwierig, wenn das Grundgerüst durch den Sequenzer
vorgegeben wird.“ Aber wäre das „live“?. „Am ehrlichsten wäre es
sicherlich, eine Band hinzustellen. Man hat einen Schlagzeuger, einen
Bassisten und die Orgel als eine Stimme, in erster Linie natürlich der
Zugriegelsound, der ja heute allerorts wieder anzutreffen ist und der
Orgel bzw. dem ursprünglichen Sound der Orgel zu einer wahren Renaissance
verholfen hat.“ Vielleicht wäre auch ein Konzert mit mehreren Organisten
oder auch anderen Musikern interessant: „In England haben sie mit solchen
Sachen kein Problem, dort haben wir mit mehreren auf der Bühne gestanden.
Keiner hat dem anderen die Schau gestohlen, das ging ganz problemlos und
war ein großer Erfolg.“ Die Frage ist, ob beispielsweise eine Firma oder
ein sonstiger Veranstalter bereit ist, so etwas heute noch durchzuziehen.
Das Orgelpublikum wäre sicherlich dankbar!
An dieser Stelle ist es sicher an der Zeit , den ehemaligen Orgelstar Ady
Zehnpfennig zu fragen, wie er die Bedeutung der E-Orgel heute sieht: „Der
Hammond-Sound als der ursprüngliche Orgelsound ist unvergänglich. Er hat
auch heute in vielen internationalen Produktionen und natürlich auch bei
meiner Arbeit seinen festen Platz, wenn auch dieser Sound in der heutigen
Studiopraxis häufig in Form von Samples oder Synthesizer-Simulationen
generiert wird. Ich wünsche mir aber trotzdem sehr, dass auch die
klassische Art des Orgelspielens, mit beiden Händen und Füssen, erhalten
bleibt. Leider haben es die Orgelhersteller nie geschafft, gewisse Normen
für diese Instrumentengattung festzulegen, die der E-Orgel sicher geholfen
hätten, sich auch im schulischen oder akademischen Bereich als
Ausbildungsinstrument neben den etablierten Musikinstrumenten
durchzusetzen.“
Gibt es noch unerfüllte Träume und Ziele, die der Künstler Ady Zehnpfennig
noch erreichen möchte? Aus dem erfolgreichen Show-Organisten von einst ist
ein nicht minder erfolgreicher Musikproduzent mit eigenem, modern
ausgestattetem Tonstudio geworden. Als solcher hat er es geschafft, sich
als feste Größe in der deutschen Musiklandschaft zu platzieren. „Dieses
Studio hier ist mein Leben. Ich habe mir meinen Traum erfüllt“. Dem gibt
es nichts hinzuzufügen. |