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Der „Engländer mit dem verpflichtenden Namen“
(kein Künstlername) wurde am 21. August 1963 in Wardle/Lancashire (in der
Nähe von Manchester) geboren. Im Alter von 6 Jahren zog Mark Jason Kevyn
Shakespeare (so sein voller Name) mit seinen Eltern Mike und Barbara sowie
seiner jüngeren Schwester Jane nach Marple in Cheshire. Schon im
Kleinkindalter war er von Musik total fasziniert, bewegte sich dazu und
tanzte zu rhythmischen Melodien. Sobald er an die Tastatur heranreichte,
zeigte sich seine Begabung für das Klavier. Zur Zeit des Umzugs nach
Cheshire war Mark (an seinem Alter gemessen) bereits ein tüchtiger
Pianist. Seine Mutter trat bei vielen Veranstaltungen auf - sie war eine
professionelle Ballerina mit einem Abschluss der Royal Ballet School. Kurz
nachdem die Familie nach Marple gezogen war, übernahm sie den Bereich
Tanz, Bewegung und Choreografie an der Brayside International School of
Theatre and Arts. Während seiner gesamten Kindheit war Mark deshalb stets
von Musik und Theateraktivitäten umgeben. Ständig gab es Konzerte, Shows
und Musicals mit großen Orchestern, Tanzaufführungen wurden geplant, man
besuchte Proben und Aufführungen im Theater oder Fernsehen - Mark lernte
ein ungeheuer großes Spektrum an Musik kennen und fand verständlicherweise
starke Unterstützung in seiner Familie. Barbara und Mike Shakespeare
verstanden es offensichtlich hervorragend, ihren Sohn zu motivieren.
Marks offizielle musikalische Ausbildung begann im Alter von 6 Jahren mit
Klavierunterricht bei Mary Price an der Avonica Music School. Mark: „Üben
und Musik studieren bedeutete für mich niemals Arbeit, ich machte es
wirklich gerne und war glücklich, Hobby und Beruf miteinander verbinden zu
können. Meine Eltern hatten nicht das Problem, mich zum Üben bringen zu
müssen - genau das Gegenteil war der Fall, sie mussten mich richtig vom
Klavier weglocken, damit ich andere Dinge tat (z.B. um zu schlafen...).
Bereits mit 12 Jahren hatte ich offizielle Klavierabschlüsse in Theorie
und Praxis. Offensichtlich war ich für viele Jahre der einzige Schüler,
der so etwas in diesem Alter erreicht hatte. Das National College
zeichnete mich dafür mit einer Goldmedaille und einem Ehrendiplom mit
Mütze und Talar (‚cap and gown’) aus.“
Mark hatte sich schon immer für alle möglichen Arten von Musik
interessiert und gründete im Alter von etwa zwölf Jahren seine erste Band.
Seine Vorliebe für orchestrale Musik, das Suchen nach neuen musikalischen
Ausdrucksmöglichkeiten, das Arrangieren und Dirigieren lösten seine
Faszination für die elektronische Orgel und die Synthesizer aus. Es
erschien ihm einfach faszinierend, die musikalische Kontrolle über so
viele Instrumente in einem einzigen Instrument vereint zu haben! Er war
sich sicher, in einer musikalisch faszinierenden Ära zu leben. Die
Möglichkeit, ein Sinfonieorchester, einen Chor, diffizile Soloinstrumente,
eine Percussion-Section etc. einfach per Knopfdruck abzurufen, beschert
den heutigen Musikern musikalische Ausdrucksmöglichkeiten, von denen die
früheren Komponisten und Musiker nur träumen konnten! Nachdem Marks Band
zahlreiche Dance-Events gespielt und etliche Künstler begleitet hatte,
wurden die Bandmitglieder gebeten, bei der umfangreichen Produktion der
Rockoper „Smike“ für die Musik zu sorgen. Der Auftrag beinhaltete auch,
dass Mark Arrangements schrieb und das Orchester dirigierte - und zwar im
Stockport County Football Stadium vor tausenden von Leuten. Auch Queen
Elizabeth und Prinz Philip waren anwesend - die Veranstaltung war ein Teil
der Feierlichkeiten anlässlich des „Silver Jubilee“ der Queen.
Mit elf Jahren machte Mark Shakespeare Bekanntschaft mit der klassischen
Kirchenorgel, sang auch leidenschaftlich im Kirchenchor. Nach dem ersten
Kontakt zur Kirchenorgel entwickelte sich bei ihm eine wahre Leidenschaft
für dieses Instrument - er war vom Klang, von den Bedienelementen und den
Spielebenen äußerst beeindruckt und erlernte das Kirchenorgelspiel quasi
im Handumdrehen - es war offensichtlich Zeit, sein Leben und seine
zukünftige Karriere in die richtigen Bahnen zu lenken. Im Alter von zwölf
Jahren zeichnete Mark seine erste Radiosendung auf und zwar bei einer
wöchentlichen Orgelmusik-Sendereihe der BBC (Radio Manchester), genannt
„Pedals, Percussion and Pipes“. Die Sendung wurde von dem in England
äußerst populären Moderator und Journalisten Alan Ashton präsentiert. Sie
öffnete für Mark die Türen zu zahlreichen weiteren Sendungen mit der BBC,
sowie zu anderen kommerziellen Radiosendern. Er gewann einen nationalen
Talentwettbewerb und trat im berühmten Londoner Palladium auf. Kurz nach
seinem 13. Geburtstag qualifizierte er sich für das London College Of
Music und mit 15 gewann er mehrere Preise für das Erreichen der höchsten
Punktzahl in den verschiedensten Fächern. Er studierte an der Royal School
of Church Music (königliche Schule für Kirchenmusik) klassische Orgel und
Gesang und machte sein Diplom als „Head Chorister“ (Kirchenchorleiter).
Bald wurde ihm eine Stelle als Kirchenchorleiter an der berühmten Rossall
Public School in Flettwood, Lancashire, angeboten. Er ergriff die
Gelegenheit und verbrachte daraufhin fast 24 Stunden täglich mit Musik.
Neben seinen Studien an der Kirchenorgel beschäftigte er sich mit
Harmonielehre, Kontrapunkt und Arrangement. Später gelang es ihm, von
Marion Lowe unterrichtet zu werden, einer Sopranistin der Sadler’s Wells
Opera Company. Mark war jedoch auch an moderner Musik interessiert und
studierte Jazz, zeitgenössische Musik und Musikwissenschaft bei Charles
Smitton (zu jener Zeit ein äußerst bekannter Fernsehmusiker bei der BBC).
Um sein Showtalent zu festigen und seine Präsentation auf der Bühne zu
perfektionieren, studierte der Orgelvirtuose an der Brayside
International Stage School. Er wollte nicht nur musikalisch, sondern auch
showmäßig professionellen Ansprüchen genügen. An dieser Schule gab es
zahllose Gelegenheiten für Vorstellungen, Auftritte, Schauspiel,
öffentliche Ansprachen; außerdem erhielt man gute Einblicke in das
Unterhaltungsgeschäft, lernte Medien- und Produktionsaspekte kennen - Mark
gewann unschätzbare Erfahrungen. Der Schulleiter verlieh ihm die
Ehrenmitgliedschaft, worauf Mark Shakespeare besonders stolz war. Wann
immer es seine knapp bemessene Zeit zuließ, kehrte er an die Schule zurück
und wirkte bei Aufführungen, in Kursen und als Gesangslehrer.
Im Alter von 16 Jahren hatte Mark bereits eine ganze Anzahl von
Musikwettbewerben gewonnen. Ken Jones, geschäftsführender Manager von
Electro Voice Ltd. und Importeur für Wersi-Orgeln in England, wurde auf
ihn aufmerksam und bot ihm an, die Instrumente der Firma zu präsentieren.
Mark willigte ein, zog von zu Hause aus und wohnte künftig bei Ken und
Betty Jones in London, welche ein Tonstudio in ihrem Haus installiert
hatten, wo Mark ungestört und intensiv arbeiten konnte. Zur gleichen Zeit
erhielt er seinen ersten Schallplattenvertrag und startete damit seine
internationale Karriere. Ihm gelang damit „a great deal“ in der Musikwelt,
denn schnell wurde er durch seine Konzerte auf den Wersi Helios- und
Galaxis-Orgeln in ausverkauften Häusern in ganz Großbritannien bekannt.
An seinem 18. Geburtstag gab er ein umjubeltes Konzert an der Wersi Helios
im berühmten Londoner Barbican Centre (mit ca. 6000 Zuhörern!) und wurde
live von Brian Mathews interviewt, der beim BBC National Radio für über
ein Vierteljahrhundert so etwas wie eine nationale Institution darstellte.
Die musikalische Presse wählte Mark zur Nummer eins in der Kategorie „The
International Organ Personality of the Year“ („Orgelpersönlichkeit des
Jahres“) und in der Sparte „Best Electronic Organ Record“ („Bestes
elektronisches Orgel-Album des Jahres“). Diese Auszeichnungen waren
weitere Höhepunkte seiner Laufbahn. Sein kometenhafter Aufstieg an die
Weltspitze war das Ergebnis seiner harten Arbeit und für Mark zugleich
Bestimmung und Verpflichtung für jeden Aspekt seiner musikalischen Arbeit
und seiner Auftritte. Sein Bemühen um Perfektion kam nie zum Stillstand.
Diese Einstellung gekoppelt mit gewissenhafter Sorgfalt bis ins Detail war
wirklich phänomenal. Mark kontrollierte sich z.B. selbst am Fernseher, um
zu sehen, welche Mimik auf der Bühne besser bzw. weniger gut geeignet war.
Er war absolut selbstkritisch, hörte nicht gerne seine eigenen Platten,
war während den Plattenaufnahmen immer „nahe am Wahnsinn“. Sobald er ein
Projekt beendet hatte, wandte er sich dem Nächsten zu.
Auf der Bühne begeisterte Mark Shakespeare sein Publikum durch
hoch-musikalische Arrangements und perfekte Spieltechnik. Er machte durch
seine spektakulären Auftritte und durch die großen Spiegel (die auf der
Bühne installiert wurden, damit das Publikum seine superbe Fingertechnik
und die theatralische Gestaltung der Show besser verfolgen konnte) auf
sich aufmerksam, verband Showeinlagen (z.B. Phantom der Oper...),
Lichttechnik und Humor zu einem faszinierenden Konzerterlebnis. Mark
Shakespeare wörtlich in einem Interview der Zeitschrift Manual: „Musik ist
Atmosphäre. Musik muss zur Umgebung passen. Für mich ist ‚Konzert’ die
totale Mischung, der Kontrast. Der Kontakt zum Publikum ist für mich sehr
wichtig... Mein Traum wäre eine eigene Show mit eigenem Orchester, Tanz,
Laser- und Lichteffekten, einer speziellen Drehbühne... einfach eine
Super-Show auf die Beine stellen - und das am liebsten in Las Vegas. Ich
habe ja auch Choreografie und Bühnenbild studiert, es würde mir riesigen
Spaß machen, so etwas zu organisieren.“
1984, etwa um seinen 21. Geburtstag, gründete Mark Shakespeare seine
eigene Plattenfirma mit dem dazugehörigen Vertrieb: Ivory International
Ltd. Dazu baute er ein Tonstudio, das ganz in der Nähe von Mark’s
Elternhaus in Plymstock/Devon untergebracht war. Das neue Studio hatte
ideale Arbeitsbedingungen: es war ruhig, hatte verschließbare Türen und
kein Telefon (Mark: „Welch ein Segen!...“). Es lag mitten in einem Feld,
Mark konnte jede Menge Krach machen, ohne jemanden zu stören, nächtelangen
Aufnahmen frönen, üben, arbeiten... Insgesamt spielte Mark Shakespeare
über 20 Alben ein.
Wo immer er war, sammelte er Ideen für seine Arrangements, nahm Anregungen
auf: „Ich träume z.B. von Musik und behalte diese Träume auch im
Gedächtnis. Wenn ich so einen Traum dann später aufgreife, nenne ich dies
Inspiration. Ständig erhalte ich neue Ideen von überall her, sie scheinen
auch ein Ergebnis persönlicher Erfahrungen zu sein. Kann man ein
Liebeslied singen, wenn man nie verliebt war? - Wenn man es trotzdem tut,
klingt es wahrscheinlich nicht so toll. Warum das so ist, interessiert
mich. Viele Dinge, die ich musikalisch verwirklicht habe, waren das
Ergebnis von ursprünglichen Ideen aus dem Familien- oder Freundeskreis,
aus der Öffentlichkeit. Ich versuche stets, die Ideen von anderen Leuten
in meine Shows und Platten zu integrieren, allerdings muss ich dann
wirklich in der Lage sein, deren Intentionen und Motivationen für das
Genießen von Musik zu verstehen und zu beurteilen. Was ich hauptsächlich
mache, ist: zuhören, beobachten und fühlen. Es gibt immer Musikstücke, die
Emotionen auslösen. Musik ist kein begrenztes Medium wie der Wortschatz
oder die Sprache - sie überschreitet wirklich alle Grenzen. Ich besuche
zahlreiche Konzerte, Shows, Cabaret- oder Theatervorstellungen - manchmal
fühle ich mich wie ein musikalischer Schwamm! Ich sauge alles in mich auf,
höre jede Menge Musik, lese viel. Ich kann an keinem Musikgeschäft
vorbeigehen, ohne ein Notenheft oder eine Platte zu kaufen. Ich muss über
40.000 Musikstücke zu Hause haben, ich habe keine Ahnung wie viele
Platten, Cassetten und CDs in unterschiedlichsten Musiksparten ich
besitze!“
Mark Shakespeares Karriere machte einen weiteren Sprung nach oben, als er
1984 vom deutschen Orgelhersteller Böhm entdeckt wurde. Mark wurde für
eine erste Vorstellung nach Deutschland eingeflogen und überzeugte mit
seinem virtuosen Spiel und seiner Perfektion das ganze Böhm-Team. Kurze
Zeit später absolvierte er für Böhm mit der damals neuen Musica Digital
1030 seine erste Tournee. Die Tournee war zwar ursprünglich mit einem
anderen Organisten geplant worden, aber Mark war offensichtlich die
bessere Alternative. Böhm bot ihm zu keiner Zeit einen Vertrag als
firmeneigener Top-Konzert-Organist an, doch ab diesem Zeitpunkt wurde Mark
auch international anerkannt und gleichzeitig zu einem Vorbild für viele
andere Organisten. Mark zu der Zusammenarbeit mit der Orgelfirma aus
Ostwestfalen: „Wir haben eine Art ‚gentleman’s agreement’; ein Vertrag ist
nur nötig, wenn man Probleme hat, dem Anderen zu vertrauen!“
Mark verließ Großbritannien für kurze Zeit, um in Deutschland (bei
Freunden in Nürnberg) zu leben und Deutsch zu lernen. Schnell konnte er
die neue Sprache fließend anwenden. Da Mark auch in den darauf folgenden
Jahren viel Zeit in Deutschland verbrachte, fand er zahlreiche neue
Freunde, Deutschland wurde ihm zur zweiten Heimat. Zurück im „United
Kingdom“ begann er, erfolgreich Schallplatten und CDs auf seinem eigenen
Label zu veröffentlichen und im In- und Ausland Konzerte zu geben. In den
USA konnte er komplett ausverkaufte Tourneen verzeichnen, hatte u.a. seine
eigenen Shows in den Hilton Towers in Los Angeles und in den
Marriot-Hotels in Orlando.
Mark absolvierte elf ausverkaufte Konzerttourneen an den wichtigsten Orten
in Ost- und Westdeutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Holland,
Frankreich und Dänemark. Mark: „Die Tourneen sind immer sehr spannend für
mich; ich lerne so viele verschiedene Länder und Kulturen kennen. Ich
spiele wirklich gerne in Europa, weil das Publikum so aufmerksam ist und
Leistung zu schätzen weiß. Die amerikanischen Konzertbesucher sind dagegen
unzweifelhaft die Lautesten!“
Er trat zwölfmal bei der jährlichen Internationalen Frankfurter
Musikmesse auf, erschien bei internationalen Radio- und Fernsehsendern,
hatte Live-Auftritte bei den deutschen Fernsehsendern NDR, ARD und RTL
während der besten Sendezeiten. Bei der Organisation dieser Termine stand
die Firma Böhm ihrem Starorganisten stets hilfreich zur Seite. Marks
Terminkalender war übervoll - nicht selten war er neun oder zehn von zwölf
Monaten auf Tournee! Mark Shakespeare managte sich selbst und schrieb alle
musikalischen Arrangements selbst, wobei er bei klassischen Stücken immer
die Originale und auch Partituren zu Rate zog. Sein Name war untrennbar
mit den Böhm Instrumenten verbunden.
Während seiner Karriere war er einer jener wenigen Organisten, denen es
ermöglicht wurde, ihre Shows während der Sommerzeit in verschiedenen
englischen Theatern aufzuführen, z.B. im Great Yarmouth Wellington
Theatre, Clacton on Sea - The Westcliff Theatre, Porthcawl - The Grand
Pavilion, um nur einige zu erwähnen. Er konzertierte an vielen weiteren
Topschauplätzen in Großbritannien: The London Palladium, The London
Barbican Centre, The Manchester Free Trade Hall, Fairfield Hall, Croyden...
und traf eine Menge berühmter Leute. Einige von ihnen wurden zu Freunden
wie Rick Waterman, Barbara Windsor, Ted Rodgers oder der bekannte deutsche
Komponist und Arrangeur Berry Lipman. Er gab Konzerte für Ihre Hoheit, die
Herzogin von Westminster, deren Lieblingsmusiker Mark war. Beim
Staatsfestival von Berlin konzertierte er auch für den deutschen
Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl.
Mark Shakespeare erhielt internationale Anerkennung als „King of the One
Man Show“. Die Ankündigung eines seiner Konzerte lautete: „Mark
Shakespeare - The Electronic Organ And Keyboard Experience. An action
packed family stage show, with music to suit all tastes, including:
Standards, Evergreens, Oldies, Pop, Latin, Rock, Classical, Musicals and
much, much more!“ Mark zog den Terminus „Show“ vor - die Bezeichnung
Konzert war in seinen Vorstellungen verbunden mit einem alten,
grauhaarigen Professor, der für ein kleines Elitepublikum schwierige
klassische Musik spielt! Mark Shakespeares Shows dagegen hatten stets
einen familiären Touch - das Publikum sollte einfach den Abend genießen,
den Alltag vergessen und in musikalischen Fantasien schwelgen.
Zur Umsetzung seiner Showideen konnte er sich auf eine gut eingespielte
Crew verlassen. Mark hatte sich ein absolut professionelles Roadteam aus
Aufbauhelfern, Technikern etc. zusammengestellt. Sein Tontechniker Rob
wurde ihm und Marks Familie ein enger und wertvoller Freund. Auf der Bühne
kamen Spiegel, Projektoren, Bühnenaufbauten und computergesteuerte
Lichtsysteme zum Einsatz, wobei es Mark nicht um vordergründige, schrille
Effekte ging - hier kam wieder der theatralische, musical-artige,
professionelle und kreative Anspruch dieses Künstlers zu Tage. Das
Bühnenlicht stellte für ihn eine eigenständige kreative Ausdrucksform dar.
Das Geschehen auf der Bühne hatte nicht nur musikalisch sondern auch
visuell interessant und attraktiv zu sein. Mark Shakespeare verwendete auf
der Bühne niemals Sequenzer oder Computer, nicht einmal bei
Fernsehaufzeichnungen! Sein Leitsatz lautete: „Musik muss lebendig sein.
Wenn jemand einen Fehler macht: Na und?! Musik ist ein Teil unseres
Daseins, der Ausdruck und die Interpretation des Lebens. Das Publikum
fühlt, ob jemand wirklich live spielt, selbst wenn es von der technischen
Seite keine Ahnung hat!“
War Mark nicht auf Konzertreisen oder arbeitete nicht im Tonstudio,
interessierte er sich außerordentlich für Computertechnologie. Seine
Begeisterung für dieses neue Medium ließ ihn oft bis in die frühen
Morgenstunden am PC sitzen. Mit seinem Wissen über Technik und
Programmiermöglichkeiten war er anderen Kollegen meilenweit voraus. Als
1991 die Firma Böhm electronic gegründet wurde, entwickelte Mark zusammen
mit dem Böhm-Team das neue Opera-Klangsystem. Für Böhm war es immer
wichtig, bei der Entwicklung eng mit den Musikern zusammenzuarbeiten.
Viele Sounds der Böhm-Orgeln wurden von Mark programmiert oder gesampelt.
Um seinen 30. Geburtstag resümierte Mark Shakespeare: „Ich glaube, Musiker
zu sein ist kein Beruf, es ist mehr eine Lebensart (‚a way of life’). Bei
mir sind seit frühester Jugend viele Dinge geschehen, Gelegenheiten
entstanden, die ich als völlig normale Entwicklung betrachte. Ich wollte
niemals Berufsmusiker werden, wollte nur Musik machen, musikalische
Sachverhalte lernen - ganz einfach weil die Musik mein Leben war. Es war
stets meine Intention, Musik perfekt und professionell darzubieten! Ich
habe dabei viele neue Freunde gefunden, und die Dinge haben sich prächtig
entwickelt. Die Ereignisse haben sich manchmal gegenseitig multipliziert
wie in einem Schneeballsystem. ‚Richtig’ professionell wurde ich
vermutlich, als ich meine handschriftlichen Notizen gegen einen
Terminkalender für Manager ausgewechselt habe, verbunden mit Wandkarten
und Schreibmaschinen... Professionelle Aufträge habe ich ab meinem 12.
Lebensjahr angenommen, das reichte vom Musik arrangieren für Künstler und
Shows, über die Arbeit mit Orchestern bis hin zu Konzerten. Noch gut
erinnern kann ich mich an ein Engagement, als ich etwa 14 Jahre alt war,
da spielte ich als Gast in einer großen Varietee-Produktion im
Palladium-Theater (im Londoner West End) E-Orgel und Keyboard mit Lena
Zaveroni und dem Burt Rhodes Orchestra.“
Mark Shakespeare brauchte das Feedback des Publikums und versuchte evtl.
bestehende Barrieren z.B. durch Gespräche oder kleine Geschichten von der
Bühne aus abzubauen. Er war seit seiner Jugend in so vielen musikalischen
Welten zu Hause, dass er sich nie auf ein spezielles musikalisches Gebiet
festlegen wollte. Das mag vielleicht verwundern, denn viele sahen in ihm
ja einen Spezialisten an den elektronischen Instrumenten. Mark beobachtete
sehr genau den Markt und das Interesse der Leute. Allein in England gab es
200 begeisterte ‚organ societies’, für die er immer wieder spielte. In
England, Amerika, Kanada, Spanien veranstaltete man ‚special holidays’ für
Tastenfans. Manchmal kamen über 2000 Besucher zu diesen Treffen, die ein,
zwei oder drei Wochen dauerten und professionell organisiert waren. In
Amerika wurden Festivals z.B. von den Hilton- und
Marriot-Hotel-Gesellschaften promoted. Das Interesse an der E-Orgel war
riesig - und zwar weltweit!
Mit seinem modernen Instrumentarium war Mark Shakespeare in der Lage, alle
denkbaren Musikstile zu reproduzieren: Klassik, Jazz, Disco, Funk, Pop,
Rock, Bigband, Swing, Folk, Musical, Ouvertüren... Sein Publikum war breit
gefächert, sowohl in Bezug auf den musikalischen Geschmack als auch auf
das Alter. Dies war eine der Herausforderungen, die Mark bei jeder Show
genoss. Deshalb versuchte er, ein möglichst breit gefächertes Spektrum an
Musik zu spielen und zwar so, dass das Publikum einen Bezug dazu fand. Er
mochte die Bezeichnung ‚light music’ (Unterhaltungsmusik) nicht. Das
Gegenteil davon wäre nämlich ‚heavy music’ - schwere Musik - was
assoziiert: schwer zu verstehen, keinen Bezug dazu haben. Mark war
überzeugt, dass Musik Atmosphäre ist, dass Musik aufhört ‚schwer’ zu sein,
wenn man die Erfahrung macht, dass Empfindungen, Gefühle, Stimmungen und
Bilder durch Klänge ausgedrückt werden können. Sein Publikum dankte es ihm
mit begeisterten Kritiken: „Ein Organist der Superlative, ...man muss Mark
Shakespeare einfach erlebt haben..., wer ihn nicht selbst gesehen und
gehört hat, der glaubt es nicht, der hat einfach etwas verpasst!“
In seiner knapp bemessenen Freizeit begeisterte sich Mark für
Meeresbiologie - während seiner Studienzeit hatte er ein tolles Aquarium,
bestückt mit exotischen Fischen, Pflanzen und seltenen wirbellosen Tieren.
Mark schätzte Autos der Marke Jaguar, schnelle Motor- und Rennboote. Er
war ein vorzüglicher Küchenchef und genoss es sichtlich, Gourmetmahlzeiten
zu kochen, wenn der Terminkalender es zuließ.
Mark Shakespeare engagierte sich außerordentlich rege für wohltätige
Zwecke. Es war ihm ein echtes Bedürfnis, wohltätige Organisationen zu
unterstützen, Gutes für Leute zu tun, denen es nicht so gut ging, wie ihm
und den meisten Leuten. Seine bevorzugt unterstützte Organisation, für die
er beachtliche Geldbeträge beschaffte, war „Riding For The Disabled“,
deren Präsident Prinzessin Anne von England ist. Durch Marks Bemühungen
war es u.a. möglich, ein neues Gebäude für Behinderte in Wrexham/North
Wales zu errichten. Mark Shakespeare ließ es sich nicht nehmen, die
Eröffnungsfeierlichkeiten (bei denen Prinzessin Anne persönlich anwesend
war) musikalisch zu umrahmen. Eine Gedenktafel mit dem Namen des
Orgelvirtuosen ist in der Zweigstelle der Wohltätigkeitsorganisation in
Chester zu finden. Daneben konzertierte Mark jährlich für die Herzogin von
Westminster. Die Einnahmen kamen dem „St. Lukes Hospice for the Good
Sheperd“ zugute - das Hospizgebäude in Chester konnte um einen neuen
Flügel erweitert werden.
Während der Frankfurter Musikmesse 1996 präsentierte Mark, wie schon viele
Jahre zuvor, die Böhm-Instrumente. Aufmerksamen Besuchern entging nicht,
dass Mark gesundheitlich einen angeschlagenen Eindruck machte, schmal und
blass aussah. Seinen letzten Auftritt für Böhm hatte Mark Shakespeare beim
Maifestival der Firma. Im Mai und Juni 1996 erhielt Mark den Auftrag, zwei
CDs fertigzustellen „Crystal Clear“ und „White Gold“. „White Gold“ sollte
mit einer speziellen Orgel in weiß und gold eingespielt werden - ein
Prototyp, der Mark gewidmet war, und für die er seine eigenen, speziellen
Effekte und Sounds programmiert hatte. Es war beabsichtigt, diese E-Orgel
als „Mark Shakespeare Special Edition“ zu veröffentlichen. Außerdem waren
die Vorbereitungen für eine Tournee in den fernen Osten fast
abgeschlossen, die im Frühjahr 1997 beginnen sollte. Leider kam es nicht
mehr dazu, denn Mark wurde im Juni plötzlich krank, konnte gerade noch die
CD „Crystal Clear“ fertig stellen, bevor er ins Derryford Hospital in
Plymouth eingeliefert wurde. Die Diagnose lautete Lymphdrüsenkrebs und die
Krankheit schlug schnell und erbarmungslos zu - Mark starb am 28.
September 1996. Der deutsche Geschäftsführer von Böhm, Horst K. Hoppe,
flog zur Beerdigung und hielt während der Totenmesse einen Nachruf. Die
Traueranzeige von Böhm lautete: „Wir haben einen wahren Freund verloren.
Am Samstag, 28. September, verstarb nach wochenlangem Krebsleiden unser
lieber Freund, Konzertorganist, Komponist und Entertainer Mark Shakespeare
im Alter von nur 33 Jahren. Mark Shakespeare hat mit seiner großen
musikalischen Begabung, eigenen Kompositionen und seinen gefühlvollen
Interpretationen bei Konzerten und mit Alben in Europa und Amerika
tausende Zuhörer über Jahre begeistert und viele neue Freunde der Musik
und dem Orgelspiel zugeführt. Sein Leben hatte er ganz der Musik
verschrieben. Für einen ungewöhnlich breiten Fan-Kreis unterschiedlichster
Stilrichtungen ist und bleibt Mark Shakespeare das große musikalische
Leitbild. Das Böhm-Team verdankt Mark Shakespeare wertvollste Anregungen
und jahrelange künstlerische Unterstützung. Wir werden Mark Shakespeare
ein höchstes Ansehen bewahren und seine Ideen für die Musikfreunde weiter
verfolgen. In tiefer Trauer das Team Böhm electronic GmbH. Plymouth, GB /
Bad Oeynhausen, 30. September 1996.“ Die Trauerfeier fand am 4. Oktober
1996 in Plympton in der St. Mary’s Church statt.
Zum Andenken an den unvergessenen Musiker, veranstaltete die Firma Böhm
electronic seither einen jährlichen Talentwettbewerb. Böhm griff damit das
Anliegen von Mark Shakespeare auf, jugendliche Talente zu fördern. Der
Wettbewerb, der nach Umstrukturierung nun im zweijährigen Rhythmus
stattfindet (das nächste Mal 2002), wird europaweit ausgeschrieben. Es
gibt Vorentscheidungen im In- und Ausland, das Finale ist in das
Herbstfest der Böhm-Zentrale in Bad Oeynhausen eingebunden. Anmeldungen
sind möglich für die Sparten Keyboard und Orgel; zugelassen sind Amateure
im Alter bis 25 Jahre; gewertet wird in drei Altersklassen. Hauptpreis ist
der „Mark Shakespeare-Wanderpokal“.
Die Eltern von Mark ließen - wohl aus übergroßer Trauer - die Verkäufe
aller Tonträger auslaufen. Für Shakespeare-Fans heißt es deshalb
zugreifen, wenn sich eine Gelegenheit zum Kauf ergibt - Marks Tonträger
werden zu Raritäten. Auch seine Instrumente wurden von den Eltern
zurückgegeben bzw. veräußert. Die Orgel von Mark Shakespeare befindet sich
nun in den Händen des deutschen Organisten Alfred Brettnacher (siehe
OKEY!-Bericht in Ausgabe 42), welcher Mark persönlich gekannt und auch
geschätzt hat und das Instrument in großen Ehren hält.
Eine Gedenktafel erinnert in England an Mark Shakespeare: die Widmung an
der letzten Ruhestätte von Mark, auf dem Friedhof Drake Memorial Gardens
in Plymouth: ‚Mark J.K. Shakespeare - „MUSICAL GENIUS“ - 21/08/1963 -
28/09/1996'.
Wer diesen genialen Musiker gekannt hat, weiß, dass diese schlichte
Inschrift den wahren Verlust nur unzulänglich beschreiben kann. Marks
Eltern leiden auch heute noch unter seinem tragisch frühen Tod. Mike
Shakespeare: „Mark war in der Tat eine ganz besondere Persönlichkeit. Wir
sind immer noch sehr traurig über seinen Tod, doch glücklicherweise haben
wir viele unschätzbare, persönliche Erinnerungen an ihn, die uns auch
niemand nehmen kann.“ |