| |
Sie definiert ihre musikalischen
Grundintentionen so: „Meine Musik ist voller Abwechslung und Vielfalt,
genau wie meine Gefühle oder wie die Welt, in der ich lebe und von der ich
beeinflusst und inspiriert werde. Eine einzelne Stilrichtung oder eine
besondere Art des Komponierens würde nur einen Teilaspekt der Gesamtwelt
reflektieren, die meine Musik ausmacht.“
Barbara Dennerlein wurde am 25. September 1964 in München geboren. Nachdem
sie von ihrem Großvater 1975 als Weihnachtsgeschenk eine elektronische
Orgel geschenkt bekommen hatte, die für sie gleichzeitig den ersten
Kontakt mit einem Instrument bedeutete, begann sie mit 11 Jahren Orgel zu
spielen. Sie erhielt eineinhalb Jahre (von 1976 bis zum Februar 1978)
Unterricht bei Paul Greisl und entdeckte bei ihrem Lehrer, der eine B3
besaß, ihre Liebe zur Hammondorgel. Bis zu ihrer ersten eigenen Hammond
musizierte sie auf drei verschiedenen Hohner-Orgeln. Beeinflusst wurde
sie, außer durch die Jazzförderung ihres Lehrers, sicherlich auch durch
die Musik im Hause Dennerlein - beide Elternteile sind Jazzfans. Barbara
setzte sich intensiv mit der Hammond-Geschichte und den Hammond-Stars
auseinander. Schnell kam sie in Berührung mit Leadsheets aus dem Realbook
und anderen Notensammlungen, trainierte dadurch früh ihre Fähigkeit,
Stücke zu spielen, die nur in Ansätzen ausnotiert waren.
Barbaras außerordentliche Begabung und ihr Talent zeigte sich umgehend.
Bald reichte ihr der Orgelunterricht nicht mehr aus und sie bildete sich
hauptsächlich autodidaktisch weiter. Zu jener Zeit fing sie auch an,
jazzmäßig zu phrasieren, Jazzvoicings einzusetzen und sich ein Repertoire
aufzubauen, mit dem sie 1977 „spielend“ im Alter von 13 Jahren ihren
ersten Auftritt bestreiten konnte. Zahlreiche Tipps erhielt sie von dem
Pianisten Raivo Tammik, einem guten Jazzer, der u.a. bei Kreuzfahrten und
in Hotels auftrat. Die Autodidaktin: „Ich bin nicht streng methodisch
vorgegangen, man merkt selber was man braucht, was einem fehlt. Ich habe
mir aus Harmonielehrbüchern das herausgegriffen, was für mich wichtig war.
Nach der Trennung von meinem Lehrer begann ich mit einem Gitarristen und
einem Schlagzeuger zu spielen, fing dadurch an, Basslinien bewusst
auszuarbeiten, Basslinien auf das Fußpedal zu übertragen. Weitergebracht
haben mich auch die Play Alongs von Jamey Abersold, vor allem die Hefte
mit Charlie-Parker- oder Duke-Ellington-Titeln. Man lernt immer dazu und
kommt weiter. Man kann zwar theoretisch die Grundlagen des Jazz lernen,
aber man muss es auch wagen, sich wieder davon zu lösen, denn Jazz ist in
erster Linie Gefühl!“
1980 erhielt sie ihr erstes Engagement in einem Münchner Jazzclub, der
Pianobar „Schwabinger Spritz’n“. Ab diesem Zeitpunkt gab sie während der
Schulzeit an den Wochenenden und während der Ferienzeiten regelmäßig
Konzerte. Die Komposition von eigenen Stücken wurde ihr immer wichtiger
und die eigenen Stücke bekamen in ihren Konzertprogrammen nach und nach
einen immer größeren Anteil. Bereits 1982 war sie im Bayerischen Rundfunk
in der Sendung „Unterhaltungswerkstatt“ zu hören. Es folgte das erste
Fernsehportrait (ARD) „Morgens an der Schulbank, abends an der Jazzorgel“.
Dieses war der Auftakt zu zahlreichen weiteren Rundfunk- und
Fernsehaufzeichnungen: „Jazzclub“, „Ohne Filter“, „Jazzbühne Extra“, „Bluesfeeling“,
„Jazz-ln“, „Fats Waller Memorial“, „Klavierstunde“, „Hätten Sie heut’ Zeit
für mich“, „Dalli, Dalli“, „AVO Session Basel“, „Lebenslinien“ (ein
45-minütiges Portrait des Bayerischen Fernsehen), „Leverkuser Jazzfestival
1999“, „24. Jazzwoche Burghausen“, „Oscar Klein Allstars“, „SWR Hot Jazz
Festival“, „Super Organ Meeting“ (Live at the Jazzland Wien, u.a. mit T.C.
Pfeiler), „Live At The Norwegian Church in Cardiff“, „Live At The Jazz
Café London“... die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Ein ganz besonderes Highlight in Bezug auf Jazz im Fernsehen war die
24-Stunden-Sendung an Silvester 2000: „All That Jazz - Concerto Massimo“.
Ein derart langes Jazz-Feature gab es noch nie im deutschen Fernsehen.
3SAT erntete dafür eine ungeheure Resonanz und begeisterte
Zuschauerreaktionen ohne Ende. Für Barbara Dennerlein war die Sendung ein
Novum: Die Organistin trat nicht nur als Musikerin, sondern auch als
Moderatorin auf.
In der Anfangsphase ihrer Karriere war Barbara Dennerlein kurzzeitig für
den Erfinder der Selbstbauorgeln, Dr. Böhm tätig. Zwei Langspielplatten
zeugen von dieser Zusammenarbeit: 1983 erschien die erste Langspielplatte
„Jazz Live“, die mittlerweile vergriffen ist, danach „Orgelspiele“ (1984).
In der Folgezeit wandte Barbara Dennerlein sich endgültig der Hammond-B3
zu. 1983 schloss sie ihre Schulzeit mit dem Abitur auf einem
mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium ab und komplettierte danach
ihre Ausbildung von 1984-1986 mit einem Studium der Musikwissenschaften in
München.
1985 gründete sie ihr eigenes Label „Bebab Records“ und produzierte das
erste Album „Bebab“ für das eigene Label. Barbara Dennerlein zur
Label-Gründung: „Bebab Records ist mein eigenes Label, das ich im Alter
von 21 Jahren gründete. Der Name ist eine Symbiose aus meinem eigenen
Namen Barbara und aus Bebop, weil ich schon immer gerne Bebop-Stücke
gespielt habe - eines meiner großen Vorbilder war der unvergessene Charlie
Parker. In dieser Periode um 1985 war ich ständig mit meinem Quintett
(Hammond, Alt- und Tenorsaxofon, Posaune und Schlagzeug) auf Tournee, für
welches ich die meisten Arrangements komponiert und geschrieben habe. Ich
hatte schon immer meine eigenen Vorstellungen von Musik und wollte
keinerlei Kompromisse eingehen, um z.B. Leuten von Plattenfirmen zu
gefallen, die meine musikalischen Intentionen nicht verstehen konnten. Ich
wollte das Publikum mit der Musik begeistern, der ich zugetan war. Der
einzig mögliche Weg war für mich, ehrlich mit mir und dem Publikum
umzugehen. Zu Beginn meiner Karriere hatte ich natürlich noch nicht den
großen Namen, aber ich wusste genau, wo ich mit meiner Musik hinwollte und
wie ich dieses Ziel mit meinem Talent erreichen konnte. Dies war
möglicherweise der Grund, warum zu jener Zeit keine der
Plattengesellschaften großes Interesse daran zeigte, meine Musik zu
veröffentlichen. Meine ersten beiden Platten, die ich zuvor veröffentlicht
hatte, waren ja bekanntlich in Zusammenarbeit mit einer deutschen
Orgelfirma erschienen. Nachdem ich mir über meine Ziele im Klaren war,
besuchte ich verschiedene Vertriebe und traf auf genügend Interesse für
eine neue Platte des Barbara Dennerlein-Quintetts, war dadurch in der
Lage, meine erste eigene Produktion zu finanzieren, eine Live-Aufnahme im
Allotria-Jazzclub in München. Glücklicherweise war das Album äußerst
erfolgreich und brachte mir den Preis der Deutschen Schallplattenkritik
ein. Nach diesem Erfolg waren dann auch die Plattenfirmen interessiert und
in der Folgezeit veröffentlichte ich viele weitere Schallplatten für
diverse Labels (z.B. Koala, Enja, Verve), aber ich hörte nie auf, für mein
eigenes Label zu produzieren, da ich mich so völlig unbeeinflusst
musikalisch austoben kann! Mein Label ‚Bebab Records’ wird übrigens von
BMG Ariola vertrieben.“
1986 erhielt Barbara wieder den Preis der Deutschen Schallplattenkritik,
diesmal für ihr Album „Tribute To Charlie“ das sie zusammen mit „Peter
Herbolzheimer’s Rhythm Combination And Brass“ für Koala-Records
eingespielt hat. 1988 begann für Barbara Dennerlein als erste deutsche
Künstlerin die Zusammenarbeit mit Enja-Records. Über diese Label
entstanden die ersten Kontakte in die USA. Mit amerikanischen Jazzgrößen
wie Ray Anderson, Mitch Watkins und Ronnie Burrage entstand das Album „Straight
Ahead“. Die Kritiker waren von der Organistin aus Deutschland begeistert,
sorgten für eine große Resonanz. Barbara lernte Herbie Hancock kennen, der
ihr zu einem guten Freund wurde und eine Agentin besorgte, die Tourneen in
Amerika buchte.
Ab 1989 arbeitete Barbara zusammen mit Friedrich Gulda in den
verschiedensten Besetzungen vom Duo bis zum Symphonieorchester (Münchner
Philharmoniker, Wiener Symphoniker). Es fanden einzigartige Konzerte mit
ihr und Friedrich Gulda in den Philharmonien München und Köln statt.
Weitere Konzerte führten das Team in so renommierte Häuser wie das
Konzerthaus Wien, die Tonhalle Zürich, zum Kunstverein Bregenz oder zu den
Wiener Festwochen. Im ausverkauften Brucknerhaus, Linz, gab es ein
vielbeachtetes Konzert mit Friedrich Gulda und Joe Zawinul. Die
Zusammenarbeit hat offensichtlich sehr viel Spaß bereitet, führte zu einer
Freundschaft mit dem Genie Gulda, der es geschafft hat, über alle Stil-
und Genregrenzen eine Verbindung von Klassik und Jazz zu realisieren. Noch
heute meint Barbara: „Eines meiner bevorzugten Alben ist die Doppel-CD
‚Mozart No End’ - eine Live-Einspielung mit meinem Freund Friedrich Gulda.“
Um ihre CD „Hot Stuff’ dem Publikum vorzustellen, gab sie 1991 ein
dreitägiges Gastspiel im New Yorker Club „Sweet Basil“. Ab 1992 brachten
sie regelmäßige Einladungen nach London in den Ronnie Scott’s Club. lm
gleichen Jahr führten sie ausgedehnte Tourneen nach Kanada und in die USA,
wo sie u.a. im berühmten New Yorker Jazz-Club „Blue Note“ ihre CD „That’s
Me“ vorstellte. Mit der CD „Barbara Dennerlein Solo“ produzierte sie für
Bebab-Records ein Album, das Barbara Dennerlein und Hammond-Sound „pur“
zeigt, d.h. ohne Mitmusiker und Schlagzeug, live aufgenommen - ohne
Overdubs. Im Januar 1993 gab sie mit dem österreichischen Jazz-Organisten
T.C. Pfeiler zwei Konzerte mit zwei B3s im Wiener Jazzland, im Frühjahr
erschien ihre Sampling-CD „Barbara Dennerlein B3“.
Obwohl Barbara Dennerlein auf verschiedenen Musikmessen mit Instrumenten
u.a. der Firmen Dr. Böhm und Yamaha zu hören war, ist ihr Name
unweigerlich mit dem Namen Hammond und dort mit der legendären B3
untrennbar verbunden. Ein Kritiker meinte: „Mister Hammond hat die Orgel
erfunden - Miss „D“ hat sie zum Leben erweckt!“
Barbara Dennerlein hatte stets sehr genaue musikalische Vorstellungen, die
sie konsequent umsetzte. Dabei kommen ihr der eigene Spielwitz, ihre
einmalige Virtuosität beim Pedalspiel (Tipp: Mal bei „Au Privave“
reinhören!) und ihre enorme Fingerfertigkeit zu Gute. Bei einem Konzert
mit der Bigband des Hessischen Rundfunks machte sie mit ihrer brillanten
Fußtechnik den Bassisten der Band arbeitslos. Ihre unverwechselbaren
Improvisationen erkennt man in allem, was sie spielt - egal in welchem
Stilbereich. Viele ihrer Kompositionen sind kleine Kostbarkeiten in punkto
Inspiration, Feeling, Harmonik, Drive und Groove. Der Jazzgitarrist George
Benson charakterisiert mit zwei Sätzen das Wesentliche und
Außergewöhnliche an Barbara Dennerleins Musik: „Barbara ist nicht nur eine
perfekte Musikerin, ihre Musik ist völlig anders als die jedes anderen
Organisten, den ich je gehört habe. Diesen Unterschied herauszufinden
lohnt sich für jeden Jazz-Liebhaber“.
Barbara Dennerlein ist die führende europäische Vertreterin der Jazzorgel
und erschließt mit ihrem Stil dem Hammond-Jazz neue Perspektiven. Sie ist
mitverantwortlich für die Wiederentdeckung dieses Instrumentes, das in der
Mitte der sechziger Jahre zunehmend an Aktualität verlor. Mit ihren Ideen
und ihrer Virtuosität schließt sie eine Lücke, die durch den frühen Tod
Larry Youngs entstanden war, der durch seinen von John Coltrane
beeinflussten Spielstil den Orgel-Jazz bereits in eine modernere Richtung
lenkte. Barbaras musikalische Wurzeln liegen im Mainstream. Ihre
musikalische Entwicklung begann beim Swing und führte über Latin zum
Bebop. Aber als Vertreterin einer neuen, jungen Generation von Organisten
emulgiert sie in ihrem Stil neben vielfältigen eigenen Ideen die Elemente
zahlreicher moderner Musikrichtungen zu der für sie typischen Mischung aus
swingendem „Straight Ahead“, groovenden Funk, pulsierenden Latin Rhythmen,
gefühlvollen Balladen und Blues in allen Variationen. Barbara hatte eine
Vorliebe für Charlie „Bird“ Parkers Musik und ist sicherlich auch von
anderen Musikern inspiriert worden, sie hat sich jedoch nie auf jemanden
fixiert. Ihr war es immer wichtig, einen eigenen Stil zu finden, den sie
ohne jeden Zweifel gefunden hat.
1995 gelang Barbara Dennerlein der große Coup in den USA: Sie wurde von
Verve, dem weltweiten Top-Label für den Jazz-Sektor, für 3 CDs unter
Vertrag genommen. Neben ihr gab es nur einen einzigen weiteren
Jazz-Organisten bei Verve: Jimmy Smith. Schon diese Konstellation zeigt
Barbaras Stellenwert im internationalen Jazzgeschäft. Nun waren auch vom
Finanziellen her aufwändigere Produktionen mit größeren Besetzungen
möglich und Barbara konnte sich Musiker aussuchen, von denen sie meinte,
dass sie ihre Musik optimal umsetzen konnten. Außerdem stand bei Verve ein
sehr effektiver Promotionapparat zur Verfügung. Das alles, ohne
musikalische Kompromisse eingehen zu müssen - sehr verlockend! Barbara:
„Es ist immer die Frage, wie man sich als Künstler durchsetzt! Natürlich
will jede Plattenfirma Einfluss nehmen, das ist ganz klar. Wenn man sich
musikalisch versteht, funktioniert auch die Zusammenarbeit. Manchmal ist
es jedoch so, dass bei Plattenfirmen vermeintlich kommerzielle Interessen
vorhanden sind. Sie meinen, irgendetwas würde sich gut verkaufen und
möchten das dann auch machen - was aber nicht immer mit der Einstellung
des Künstlers übereinstimmen muss! Ich bin nach wie vor der Meinung, das
allerwichtigste an der CD ist die Musik, das was der Künstler macht. Wenn
man dann ein gutes Produkt hat, sollte man sich überlegen: ‚Wie kann ich
das verkaufen?’ und nicht umgekehrt herangehen: ‚Was kann ich verkaufen -
das nehmen wir jetzt auf!’ Dann fängt man an, sich wie ein Fähnchen im
Wind zu drehen, man verliert sein künstlerisches Profil und ich finde,
dass die Musik dann unter Umständen darunter leidet oder die
Überzeugungskraft verliert, wenn man als Musiker nicht mehr so voll
dahinter steht! Bei mir war das bisher Gott sei Dank nicht so, ich habe
bislang eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit den Labels gehabt, konnte
auch bei Verve meine Träume mit einem sehr guten Budget verwirklichen, das
ich privat in dieser Größenordnung nicht aufbringen kann!“
Insgesamt entstanden drei Alben für Verve: „Take Off“ (1995), „Junkanoo“
(1997) und „Outhipped“ (1999). Mit „Junkanoo“ bezog sich die Organistin
auf eine jahrhundertealte Tradition auf den Bahamas, das alljährliche
Junkanoo-Festival. Barbara konnte Junkanoo 1995 selbst erleben und fühlte
sich spontan von der Magie und der mystischen Atmosphäre in Bann gezogen:
„Vor allem faszinierten mich die Ursprünge und Emotionen hinter dieser
fröhlichen Maske, die tiefe Sehnsucht nach Freiheit - der Freiheit von
Vorurteil und Diskriminierung, der Freiheit von Zwang und Konventionen,
gepaart mit einer unbändigen Vitalität und Lebenslust. Junkanoo
symbolisiert für mich auch das Wesentliche des Jazz: Offenheit,
Spontanität und Ernsthaftigkeit. Auch ich will mich in keine Schublade
zwingen lassen. Was ich spiele und komponiere, soll eine Momentaufnahme
meiner Gefühle, Eindrücke und Erlebnisse sein, die ich mit meiner eigenen
musikalischen Sprache zum Ausdruck bringen möchte. Die Entwicklung der
eigenen Persönlichkeit und die Kreativität erachte ich als sehr wichtig.
Jeder Mensch hat etwas ganz Eigenes, Spezielles, das nur er kann. Das muss
man herausfinden und fördern.“
Für die Einspielung von „Junkanoo“ gruppierte Barbara Dennerlein Musiker
der Weltklasse um sich, die sich immer wieder über stilistische und
formale Grenzen hinweg gesetzt hatten und damit absolut der Denkweise der
deutschen Starorganistin entsprachen: David Murray, Randy Brecker, Howard
Johnson, Frank Lacy, Don Alias, Joe Locke, Mitch Watkins und Dennis
Chambers - ein „musikalisches Dream-Team“. Der Erfolg von „Junkanoo“
bestätigte diese Einschätzung.
Die Zusammenarbeit mit den US-Topleuten verlief bei allen drei
Verve-Produktionen erfreulich, problemlos und in gegenseitigem Respekt -
immerhin waren bis zu 12 Musiker an einer Produktion beteiligt. Die
Organistin hatte die Aufnahmesessions allerdings auch gut vorbereitet:
Alle Musiker erhielten vorab Demo-Aufnahmen und Noten von den
Arrangements, die mit Mac und Logic Audio (früher mit Atari und Notator)
eingespielt wurden. So wusste jeder Mitmusiker genau, was ihn erwartete
und konnte sich optimal vorbereiten - also durch und durch professionelle
Produktionen, von der Vorbereitung über die Musiker bis zur Top-Jazz-CD.
Im Moment ruht das Hauptaugenmerk der Organistin allerdings eher auf dem
europäischen Markt: „Meine Arbeit in Amerika ist unabhängig von dem
Verve-Vertrag. Es gibt sicherlich wieder mehr US-Termine, allerdings tut
sich auf dem dortigen Markt im Moment nicht sehr viel. Zur Zeit habe ich
sehr viele Projekte in Europa laufen, z.B. mit der BBC-Bigband in England,
mit einem Trio mit einer amerikanischen Gitarristin, eine Produktion mit
einem Streichorchester ist geplant usw. Daneben sind mir natürlich meine
eigenen Besetzungen vom Duo bis zum Quintett sehr wichtig. Ich mag alle
Arten von Besetzungen gern, jede Formation hat ihre besonderen Reize. Im
Duo ist man freier, für eine größere Besetzung muss man natürlich mehr
Arrangements schreiben. Es gibt natürlich stets Freiräume. Jede Besetzung
ist eine Herausforderung an mich als Arrangeur. Man entwickelt sich immer
weiter. Ich bin mit meinem jetzigen Zustand sehr glücklich, habe wirklich
viel zu tun - mir wird bestimmt nicht langweilig. Ich habe großen Erfolg
und es macht mir Spaß, wie noch nie!“
Mit „Love Letters“ legte Barbara Dennerlein 2001 ein sehr intimes Album
mit einer unglaublichen musikalischen Vielfalt in Duo-Besetzung auf
Bebab-Records vor. Als musikalischen Partner an Drums und Percussion hatte
sie sich ihren argentinischen Kollegen Daniel Messina ausgewählt, der mit
ihr in den letzten sechs Jahren schon unzählige Gigs bestritten hat.
Perfekte Harmonie und musikalische Kommunikation sind das Ergebnis dieser
langjährigen Zusammenarbeit, wechselseitige Inspiration nährt und steigert
die musikalische Substanz, lässt das Duo zeitweilig wie ein ganzes
Orchester klingen. Messina ist für die Organistin ein kongenialer Partner,
begleitet ihr Spiel einfühlsam, gibt straight gehaltene Rhythmen vor,
umspielt komplexe Kompositionen mit fein gesponnenen Rhythmusgeflechten,
legt Klangteppiche bei räumlich-perkussiven Stimmungen.
Alle neun Titel von „Love Letters“ wurden von Barbara Dennerlein selbst
komponiert und produziert, außerdem war sie auch für die grafische
Gestaltung der CD verantwortlich. Barbara zu „Love Letters“: „Diese CD ist
eine Liebeserklärung an die Musik und an das Publikum. Noch nie in meinem
Leben hat es mir so viel Spaß gemacht, live auf der Bühne zu stehen und
ich glaube, es ist uns gelungen, diese einzigartige Live-Atmosphäre auf
der CD einzufangen. Die Musiktitel sind Ausdruck der Intimität und
improvisatorischen Freiheit der Duobesetzung von Orgel mit Fußbass und
Schlagzeug, ergänzt durch Percussion-Instrumente.“
Irgendwann erwachte in Barbara Dennerlein das Interesse, Jazz auch an der
„Mutter der Hammonds“, sprich an einer Kirchenorgel, zu interpretieren. Es
reizten sie vor allem die Klangvielfalt und das mächtige Klangvolumen
dieser Instrumente. 1994 begann sie auf eine Einladung zu den Würzburger
Bachtagen mit einem Kirchenkonzert, gab in der Folgezeit Konzerte auf der
Steinmeyer-Orgel im Hamburger Michel, der Gewandhausorgel in Leipzig, der
Klaisorgel in der Münchner Philharmonie, der Riegerorgel in der
Düsseldorfer Neanderkirche, auf der neuen Goll-Orgel in Memmingen (Bild
rechts) ...
Heute gehören Kirchenkonzerte zu ihrem ganz normalen Terminkalender. Die
Zuhörer werden im Kirchenraum mit neuen, ungewohnten Klangwelten
konfrontiert und verzaubert, einer Symbiose aus Jazz und klassischen
Elementen. Jazzsongs an einer Kirchenorgel zu interpretieren, bedeutet
eine große Herausforderung an die Organistin, da die Tonerzeugung träger
ist als bei elektronischen Instrumenten und auch noch zwischen hohen und
tiefen Lagen schwankt, da tiefe Pfeifen einen längeren Einschwingvorgang
haben als hohe. Ihr perfektes Fußpedalspiel kam ihr natürlich sehr
entgegen, doch auch hier musste sie sich anpassen, die Pedaltasten liegen
weiter auseinander als bei der Hammond und außerdem war ein perfektes
Legatospiel mit beiden Beinen wichtig, um gute musikalische Linien spielen
zu können. Da jede Kirchenorgel eine andere Disposition aufweist, ist für
diese Konzerte immer eine ausgiebigere Vorbereitung nötig - 6 bis 8
Stunden sind da keine Seltenheit. Die Organistin muss sich u.a. mit den
Registern und der Akustik vertraut machen. Nicht immer klingen die
Registergruppen im Zuhörerraum am prägnantesten, welche die Organistin
(auf Grund der Orgelbauweise) am besten hört. Es kommen viele Aspekte zum
Tragen, die bei einem Hammondkonzert gar nicht zur Disposition stehen.
Jedes Konzert ist eine neue kleine Herausforderung.
Das Programm eines solchen Kirchenkonzerts enthält neben Standards (z.B.
Fats Wallers „Ain’t Misbehavin’ „) auch zahlreiche eigene Werke der
Organistin. Als Konsequenz aus der Beschäftigung mit der Kirchenorgel hat
Barbara Dennerlein nämlich von Anfang an spezielle Stücke für ihre
Kirchenkonzerte geschrieben („Introduction“, „Spiritual Movement“, „I Miss
You“, „Change of Pace“...), welche die Spezifikationen dieser Instrumente
berücksichtigen. Da gibt es klassische, fugenartige Einflüsse genauso wie
moderne Clusterklänge und Glissandi. Grooviges steht neben verzwickten
Taktarten und Bluesstücken. Manchmal kommt bei ihren Kirchenkonzerten (auf
Wunsch des Veranstalters) auch die Hammond zum Einsatz, was dann
zusätzliche interessante Klangaspekte mit sich bringt.
Zusammen mit Jasper van’t Hof übernahm Barbara Dennerlein die
künstlerische Leitung für einen internationalen Kirchenorgel-Wettbewerb,
der unter dem Motto „Jazz Meets Churchorgan“ stand. Zum Abschluss des
Wettbewerbs konzertierten nicht nur die Wettbewerbspreisträger, sondern
auch Jasper van’t Hof und Barbara Dennerlein. Danach ging es im Herbst
2001 mit diesem Programm auf eine Tournee durch Niedersachsen.
Nachdem Barbara Dennerlein nun schon seit acht Jahren immer wieder an
Kirchenorgeln konzertiert, entstand natürlich auch eine rege Nachfrage
nach einem entsprechenden Tonträger. Dieser Nachfrage trägt die Organistin
mit ihrem nächsten Album (auf Bebab-Records) Rechnung - eine Solo-CD an
der „Königin der Instrumente“. Dennerlein: „Dieses Projekt ist mir sehr
wichtig. Es war längst fällig, da ich schon seit Jahren an der
Kirchenorgel konzertiere und zahlreiche eigene Kompositionen für die
Kirchenorgel geschrieben habe. Die CD wird hauptsächlich eigenes Material,
aber auch einige Standards enthalten, quasi einen Querschnitt aus meinen
Kirchenorgelkonzerten. Es wird allerdings keine Aufnahme eines
Livekonzerts sein, ich möchte z.B. keinen Applaus darauf haben, außerdem
finde ich, die Kirchenorgel klingt am schönsten in einer leeren Kirche!“.
Welche Kirchenorgel zum Einsatz kommt, ist noch nicht entschieden.
Erscheinungstermin der neuen CD: Herbst/Winter Zur Präsentation der neuen
CD ist eine internationale Kirchenorgeltournee geplant.
Außerdem gibt es ein weiteres „Kirchenprojekt“ in der Besetzung
Kirchenorgel, Drums/Percussion und Saxofon - man darf gespannt sein, denn
dieses Vorhaben stellt eine immense Herausforderung an das Timing dar.
Nicht alle Kirchenorgeln sind vom Bau dafür geeignet, es muss ein
möglichst kurzes Einschwingverhalten gegeben sein. Trotzdem muss die
Organistin natürlich immer voraus spielen. Aber es wäre nicht Barbara
Dennerlein, wenn sie sich nicht an diese Aufgabe wagen würde. In dieser
Triobesetzung gab es auch schon ein Konzert in einer Lüneburger Kirche.
Barbara: „Ich brauche dann einfach eine längere Einspielphase, um mich
daran zu gewöhnen, diese Zeitverzögerung beim Spiel auszugleichen! Es ist
eine wirkliche Herausforderung und ich bin zur Zeit, so glaube ich, die
einzige Organistin, die so etwas praktiziert. Mein Schlagzeuger Daniel
Messina macht dann viel mit der Percussion und gestaltet soundmäßig, passt
sich so den Gegebenheiten an. Mit Peter Lehel habe ich einen Saxofonisten
gefunden, der schon viel Erfahrung im Kirchenorgelbereich aufweist. Er
spielt fantastisch, sehr lyrisch und das passt dann ebenfalls sehr gut zu
dem, was ich da schreibe - egal ob es etwas Kirchenorgelmäßiges, etwas
Freieres oder etwas Grooviges ist.“
Barbara Dennerlein versteht es, ihr Publikum zu fesseln und zu begeistern
und zählt inzwischen zu den wenigen deutschen Stars mit internationaler
Anerkennung und Wertschätzung. Bis heute entstanden 19 eigene Tonträger (5
davon auf ihrem eigenen Label Bebab Records), außerdem CDs, bei denen sie
als Gastmusikerin mitwirkt und etliche Sampler. Zahlreiche Preise und
Auszeichnungen zeugen von ihrer Reputation auch in Fachkreisen. Neben dem
„Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ für zwei ihrer Alben erreichte
sie den 3. Platz bei den Top Ten der WDR Jazz-Corner. 1990, 1991 und 1993
wurde sie im Kritiker Poll des „Downbeats“ (der wichtigsten
Fachzeitschrift für Jazz in den USA) zur Nummer Eins gewählt; in den
dazwischenliegenden Jahren hielt sie sich immer in der Spitzengruppe
dieses Polls, erreichte 1996 und 1998 ein weiteres Mal den ersten Platz in
der Sparte „TDWR Organ“ (TDWR = Talent deserving wider Recognition =
Talent, das mehr Anerkennung verdient / New-Star-Kategorie beim Poll der
Jazz-Zeitschrift „Downbeat“). Für ihre erste Verve-Veröffentlichung „Take
Off“ wurde ihr 1995 zum dritten Mal der „Preis der Deutschen
Schallplattenkritik“ verliehen. Diese CD hielt sich über Monate auf Platz
1 der deutschen Jazz-Charts, war zugleich das meistverkaufte Jazz-Album
1995 und erhielt zwei Jazz Awards. 1996 und 1997 gab es weitere Jazz
Awards für „Junkanoo“, 1999 und 2001 Jazz Awards für „Outhipped“. 1997
erhielt Barbara den „Kulturpreis der Regierung von Oberbayern für
besondere kulturelle Verdienste“, 2000 wurde sie für den „Jazz Journalists
Award 2000“ nominiert.
Barbara Dennerlein war und ist sei Jahren ein gern gesehener Gast in den
renommiertesten Jazzclubs und auf allen bekannten Jazzfestivals (Montreal,
Vancouver, Toronto, Edmonton, Victoria-Jazzfestival, Northsea
Jazzfestival/Den Haag, Pori-Jazzfestival/Finnland, Molde-Jazz/Norwegen,
Arhus Jazzfestival/Dänemark, Maastricht-Kortrijk Festival/Belgien, sowie
bei deutschen Festivals in Frankfurt, Leverkusen, Nürnberg, Vilshofen,
Burghausen, Freiburg, Hamburg, Hannover Jazztage...).
Auf der Bühne verwendet Barbara folgendes Equipment: Midifizierte Hammond
B3 (jedes Manual und das Pedal haben einen eigenen MIDI-Ausgang), alle 3
MIDI-Ausgänge werden von einem MIDI-Controller der Firma Böhm gesteuert.
Dies ermöglicht den Zugriff auf moderne Synthesizer- und Sampler-Sounds,
die Abwechslung und musikalische Farbtupfer in den „Hammond-Alltag“
bringen. Für den Bass-Sound steht ein Akai-Sampler zur Verfügung, die
Vibrafon-, Flächenklänge und Streichersounds stammen von einem Roland U110
bzw. von einem Korg M1, im Studio kommt hin und wieder auch ein Roland
JV1010 zum Einsatz. Das Leslie ist ein mechanisches Hohner Modell (wird
nicht mehr hergestellt), mit 2 AKG-Mikros (im Studio mit 3 Mikros)
abgenommen. Dieses spezielle Equipment bietet Barbara die Voraussetzung
für die Kreation eigener Sounds, die alle Möglichkeiten der
Klangkomposition und Klangkonstellation ausschöpfen.
Die Organistin bezeichnet sich selbst als „Soundfreak“, überlässt im
Studio und auf der Bühne nichts dem Zufall. Für die CD „Outhipped“ ließ
sie sich 4 verschiedene B3-Modelle ins Studio bringen, um die für sie
geeignetste auszutesten. Die alten B3s wurden ja bekanntlich von Hand
gebaut, hatten also auch Fertigungstoleranzen und dadurch einen leicht
unterschiedlichen Grundsound - manchmal klarer, manchmal schmutziger, mit
mehr oder weniger Attack usw. Eine gute CD erfordert aber einen prägnanten
durchsetzungsfähigen Hammondsound in allen Tonlagen - deshalb die
Luxusauswahl. Die Hammondfreaks wissen auch um die Probleme bei der
Leslie-Abnahme mit Mikrofonen. Hier gibt es die unterschiedlichsten
Vorstellungen über die Mikrofonpositionierung. Damit der Aufnahme- und
Live-Sound bei Barbara Dennerlein stimmt, hat sie stets ihren eigenen
Techniker Hartmut Welz dabei, der ihre Soundvorstellungen genauestens
kennt, schließlich ist er bereits seit 12 Jahren mit ihr auf Tournee.
Hat die Organistin schon mal daran gedacht, mit Vokalisten
zusammenzuarbeiten? Barbara: „Ich werde das sehr häufig gefragt, oft
schwebt das auch den Plattenfirmen vor. Nein, ich bin nicht sehr daran
interessiert. Wenn in einer Besetzung eine Sängerin oder ein Sänger dabei
ist, dann sind das immer die wichtigsten Leute und das finde ich oft nicht
gerechtfertigt, denn die Instrumentalisten müssen manchmal sehr viel mehr
können. Die Orgel hat so einen fantastischen Sound, da muss kein Gesang
her - ich habe auch keine Lust, dass die Orgel zum Begleitinstrument
degradiert wird. Das wird mit der Hammond sowieso viel zu häufig gemacht,
es gibt nur wenige Besetzungen wo sie wirklich im Vordergrund steht. Sie
ist ein tolles Instrument mit vielen Möglichkeiten - nein, mit Vokalisten
zu arbeiten, reizt mich nicht sehr! Ich könnte mir höchstens eine
gleichberechtigte Zusammenarbeit vorstellen, wenn die Stimme quasi als
Instrument benutzt wird.“
Insgesamt hat Barbara Dennerlein bis heute über hundert Titel selbst
komponiert. Sie lehnt es ab, ihre Musik kategorisieren zu lassen. Für sie
gibt es nur Musik, die sie berührt, oder die sie nicht anspricht. Ihre
Stilistik ist sehr breit gefächert, reicht von Blues über Bebop, Latin,
Funk und Swing bis hin zu Modern Jazz. Man findet einfacher strukturierte
Stücke neben komplizierten Kompositionen mit z.B. ungeraden Taktarten oder
sehr eigenen melodischen Vorstellungen, aber immer typisch Dennerlein:
„Ich versuche stets, dass der Hörer und ich selbst natürlich Spaß beim
Hören haben. Selbst wenn man z.B. eine ungerade Taktart spielt, soll der
Zuhörer einfach den Groove spüren, ohne darüber nachdenken zu müssen.
Musik vermittelt Atmosphäre und Gefühle, soll die Phantasie anregen. Da
jeder Mensch seine ganz eigene Gefühlswelt hat, assoziiert auch jeder
andere Dinge mit der Musik!“
Der Ausgangspunkt für ihre Kompositionen ist oft sehr unterschiedlich, es
kann eine Harmoniefolge sein oder eine rhythmische Figur, ein Pattern, ein
Melodiefragment. Viele Ideen kommen auch beim Üben. Sie werden notiert und
daraus entstehen oft komplette Arrangements. Manche Titel entstehen am
Stück, an manchen komplexeren Werken arbeitet die Komponistin auch länger.
Sie besitzt allerdings auch genügend Ideen und Selbstdisziplin, um „aus
dem Stand“ etwas zu schreiben, Kompositionen sind so jederzeit „abrufbar“.
Alle Werke werden ausnotiert, um mit den Kollegen detailliert daran
arbeiten zu können.
Die Namen der Musiker, mit denen Barbara Dennerlein bei Live-Auftritten
oder bei Plattenaufnahmen zusammenarbeitet liest sich wie ein „Who is Who“
der Jazzwelt: Ray Anderson, Klaus Doldinger, Peter Herbolzheimer, Joe
Zawinul, Dusco Goykovich, Jimmy Smith, Charly Antolini, Oscar Klein,
Friedrich Gulda, Randy Brecker, Dennis Chambers... um nur einige zu
nennen. Sie spielte u.a. mit folgenden Orchestern: Münchner
Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Streichorchester des SFB, Peter
Herbolzheimer’s Rhythm Combination And Brass und mit den Big Bands der
deutschen Radiosender NDR, HR und WDR.
Barbara Dennerlein genießt international sehr hohe Reputation. Ein
Münchner Musikprofessor über den „Dennerlein-Jazz“: „Was die Barbara da
macht, das kann man nicht lernen!“ Die Presse: „The Gazette“, Montreal: „Dennerlein
works magic on custom Hammond B3...“. „The Independent“, UK: „The most
vital organ“. „Los Angeles Times“: „German Organist Pumps You Up“. „Harper’s
Bazar“: „How did this fraulein get so funky?“
Der Terminkalender für die nächste Zeit sieht u.a. folgende Gigs vor:
Auftritt beim Jazzsommer im Botanischen Garten, Augsburg; mehrere Konzerte
in Kirchen an Kirchenorgel und Hammond (u.a. in Windesheim/D, Uster/CH,
Zürich/CH), Gigs in Irland und Kroatien, 5 Konzerte in Folge im Wiener
„Jazzland“ und zahllose weitere Auftritte in Clubs etc. in Deutschland,
Österreich und der Schweiz. Die Besetzungen wechseln dabei vom
Soloauftritt bis zum Quintett. Einen besonderen Musikgenuss verspricht ein
Konzertabend mit Rhoda Scott anlässlich der Ehinger Jazztage am 12.
Oktober. Die beiden Top-Organistinnen haben dazu ein spezielles Programm
entworfen, welches das Publikum schon bei den Berner Jazztagen und bei
verschiedenen Jazzfestivals in den USA zu Standing Ovations hingerissen
hat. (Näheres dazu auch in den Blitzlichtern)
Barbara Dennerlein ist in rund 180 Konzerten pro Jahr live zu erleben. Wie
hält sie diesen Reisestress aus und wie entspannt sie sich? Barbara: „Ich
trenne meinen Beruf im Prinzip nicht von meinem Privatleben - was ich
mache, ist meine Berufung - die Musik ist ein großer Teil meines Lebens.
Ich bin sehr gern auf Tournee, dann auch gerne wieder zu Hause. Ich liebe
es, zu reisen, also von daher macht mir der Stress, den man natürlich hat
- von Termin zu Termin, wenig Schlaf usw. - nicht so viel aus. Ich brauche
auch dieses Live-Spiel, den Kontakt zum Publikum, dieses Gefühl, wenn man
die Leute mit der Musik erreicht, wenn sie mitgehen, wenn sie begeistert
sind. Das ist etwas unheimlich Tolles und es ist schön, wenn man das mit
der eigenen Musik erreichen kann. Das gibt einem unheimlich viel Energie
und positive Schwingungen. Damit bin ich sehr glücklich und empfinde das
als ein sehr schönes Leben - auch wenn man oft Stress hat oder hin und
wieder etwas Unangenehmes erlebt. Es ist alles wert, diese Musik spielen
zu können. Freizeit im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Ich beschäftige
mich den ganzen Tag im weitesten Sinne mit Musik, dazu gehört ja auch die
Büroarbeit. Die Konzerte müssen organisiert werden, Techniker und Musiker
koordiniert werden usw. Da steckt ganz schön viel Arbeit dahinter, die man
oft gar nicht sieht. In meiner Brust wohnen zwei Seelen, die miteinander
vereint werden müssen. Das eine ist die Musikerin, das andere die
Managerin/Agentin/Plattenfirmenchefin. Das erfordert sehr viel Disziplin
und ist manchmal auch etwas frustrierend, wenn man zu viel am Hals hat und
zu wenig Zeit für die Musik bleibt. Entspannung finde ich bei
Spaziergängen mit meinem kleinen Hund und bei Joga-Übungen.“
Barbara Dennerlein über sich, ihre Musik und ihre Live-Auftritte: „Wichtig
ist mir mein inneres Gleichgewicht, das ich Gott sei Dank so gut wie nie
verliere. Außerdem will ich mir meine Geradlinigkeit bewahren; ich möchte
auch nur mit Leuten arbeiten, die ehrlich sind und Spaß haben an dem, was
wir machen. Ich möchte keine Leute engagieren, die zwar gut spielen, aber
das Ganze nur als Job ansehen. Ich denke, das würde auch das Publikum
spüren. Wichtig ist mir ferner, dass ich mich nicht ‚verbiegen’ muss. Ich
hätte natürlich schon früher viel mehr Geld verdienen können, wenn ich
meine Musik etwas kommerzielleren Überlegungen unterworfen hätte, aber da
bin ich sehr kompromisslos. Ich will ehrliche Musik spielen, die ich
empfinde und lebe - das ist das Geheimnis der Energie, die man in sich
hat. Kompromisse in punkto Musik kann ich und will ich nicht eingehen!“
„Jazz ist für mich die ehrlichste Musik. Für mich ist es das schönste
Gefühl, wenn sich durch meine Musik Jung und Alt, Traditionalisten und
Modernisten, Jazzfans und Nicht-Jazzfans näher kommen und alle begeistert
aus meinem Konzert hinausgehen! Ich hoffe, es gelingt mir immer, das
Publikum mit meiner Musik zu erreichen, es emotional anzusprechen.
Einen großen Traum habe ich schon seit vielen Jahren - leider habe ich
noch keinen Sponsor gefunden: Ich möchte gerne eine Welttournee machen,
mit einer Lightshow, mit Bühnenshow, mit komplett eigenen Leuten - ein
Projekt, wo man das Auge und das Ohr gleichzeitig mit einbeziehen kann.
Bühnenshow und Musik auf den Punkt bringen, Atmosphäre schaffen,
Videoprojektionen einbeziehen - es gibt so viele Möglichkeiten. Mit
Musikern, Tontechnikern, Lichtleuten einige Wochen gut vorbereiten und
dann auf Welttournee gehen - vielleicht kann ich mir diesen Traum
irgendwann mal verwirklichen!
|