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Steve Winwood wurde am 12. Mai 1948 in
Handsworth/Birmingham geboren. Steve war das zweite Kind nach seinem
Bruder Mervyn „Muff“ Winwood. Die Familie lebte damals in der Atlantic
Road in Kingstanding. Vater Lawrence Winwood arbeitete zwar als Manager,
musizierte in seiner Freizeit aber auch begeistert in einer Band. Steve’s
Eltern Lilian und Lawrence ermutigten Steve, sich mit Musik zu
beschäftigen und der Junge legte bald eine erstaunliche Gewandtheit an der
Gitarre und am Klavier an den Tag. Er begann mit erstem Musikunterricht
bei einem gewissen Mr. Waldron und sammelte im Alter von 10 Jahren erste
Bühnenerfahrungen, als er zu den Auftritten seines Vaters mit durfte. 1962
begann Steve in der Band seines Bruders, bekannt als „Muff Woody Jazz
Band“, zu musizieren. Im gleichen Jahr traf er erstmals mit dem
Gitarristen Spencer Davis und dem Drummer Pete York zusammen. Spencer
Davis, der jeden Abend im Golden Eagle Pub auftrat, lud Steve und Muff
Winwood sowie Pete York ein, mit ihm zu musizieren - das „Rhythm and Blues
Quartett“ formierte sich. Es arbeitete u.a. mit Manfred Mann und der
Graham Bond Organization zusammen und spielte u.a. mit Memphis Slim, Jimmy
Witherspoon, Champion Jack Dupree, sowie Charlie und Inez Fox.
Spencer Davis Group
Am 28. Februar 1964 trat das Quartett beim ersten Rhythm & Blues Festival
in England in Birmingham auf, Seite an Seite mit den Yardbirds und Sonny
Boy Williamson - Steve Winwood war noch nicht mal 16 Jahre alt! Seinem
Bruder Muff (der stets im Schatten seines „kleinen“ Bruders stand) kam die
Idee, die Band in „Spencer Davis Group“ umzubenennen und schon bald hatte
die Band ihren ersten Nummer-Eins-Hit in den englischen Charts. Steve
Winwood stach absolut aus der Band heraus - ein blasser, schüchterner,
dünner Teenager, eher unscheinbar - er schien erst auf der Bühne richtig
zum Leben zu erwachen. Er spielte die Orgel voller Enthusiasmus, ging mit
der Lead-Gitarre wie ein alter Profi um. Obwohl so jung an Jahren, war er
mit einer faszinierenden „tief schwarzen“ Stimme gesegnet. Die Presse
meldete: „...die schwärzeste Stimme diesseits des Atlantiks ... ein
17-jähriger Blues Man in der traditionellen Oberliga der großen Alten...“
Wer ihn nicht live sah, konnte nicht ahnen, dass diese intensive
Bluesstimme, die manchmal ein wenig an Ray Charles erinnerte, einem
minderjährigen weißen Engländer gehörte. Seine Künste an den Tasten
brachten ihm von der Presse den Beinamen „frühreifer Mozart der Pop-Musik“
(New York Times) ein.
1965 erschien „Their First Album“, 1966 die Alben „Second Album“, „Autumn
’66" und „I’m A Man“. „Autumn ’66" wurde oft als eine der besten Blues-LPs
einer britischen Band bis dahin bezeichnet. Die Interpretationen der
Blues-Klassiker waren so authentisch wie möglich - reiner Blues, ohne
jeglichen Schnickschnack. Die Spencer Davis Group ging mit den Rolling
Stones als eine von sechs beteiligten Bands auf Tournee und die Band
spielte die Hauptrolle im Film „The Ghost Goes Gear“. Im März 1967
veröffentlichte die Spencer Davis Group die Single „Gimme Some Lovin’ „,
doch Steve Winwood verließ die Band im März 1967 und auch sein Bruder Muff
Winwood wandte sich anderen Aufgaben zu, während Pete York und Spencer
Davis bei der Truppe blieben, die durch andere Musiker ergänzt wurde.
Traffic zum Ersten
Für Steve Winwood war mit seinem Ausstieg die Blues-Lehrzeit in einem
professionellen Quartett zu Ende, er suchte nach neuen Möglichkeiten,
neuen Herausforderungen. „Powerhouse“, eine Formation mit Eric Clapton,
entsprach offensichtlich nicht seinen Erwartungen, denn nur 3 Monate
später gründete Steve Winwood (Orgel, Gitarre, Gesang) zusammen mit seinen
Freunden Jim Capaldi (Schlagzeug), Dave Mason (Gitarre, Bass) und Chris
Wood (Orgel, Flöte, Saxofon) die Formation „Traffic“. Obwohl Winwood die
Spencer Davis Group verlassen hatte, erschien im Juli „I’m A Man“ auf dem
Plattenmarkt - der Song war bereits vor dem Ausscheiden Winwoods
eingespielt worden. Im November 1967 erschien das Soundtrack-Album „Here
We Go Round The Mulberry Bush“, worauf Steve Winwood sowohl mit Traffic
als auch mit der Spencer Davis Group zu hören war.
Traffic ging in Klausur, zog sich monatelang in ein Landhaus in
Aston-Tirrold/Berkshire zurück, um sich dann als ausgereiftes Quartett dem
Publikum zu stellen. Im Dezember 1967 erschien das erste eigene Album von
Traffic mit dem Titel „Mr. Fantasy“ beim Label Island Records.
Musikalische Fantasie umzusetzen, das hatten sich Bandmitglieder ins
Stammbuch geschrieben. Sie ließen sich dabei von der Psychadelic Music
inspirieren, Winwood hatte sein Ohr stets am Puls der Zeit. Das
Traffic-Repertoire umfasste Bluesnummern genauso, wie üppig ausgearbeitete
Stücke. Akustikgitarren, Cembalo, Folkjazz, Flöte - alles ließ sich bei
Traffic unter einen Hut bringen und Steve Winwood sorgte für die
interessanten „schrägen“ Akzente, verzwickte Tempi und wirklich
ausgeflippte Songtitel, wie z.B. „Shanai Noodle Factory“, „Something’s Got
A Hold Of My Toe“ oder „Medicated Goo“. Traffic präsentierte sich in
wechselnden Instrumentalkombinationen, manchmal spielte Winwood dank der
Playbacktechnik fast alle Instrumente allein. Doch keiner der Musiker
schaffte es, Traffic zu dominieren, alle Bandmitglieder hatten zu starke
Persönlichkeiten.
Anfangs 1968 verließ Dave Mason zum ersten Mal Traffic und die Band
spielte ihre ersten Gigs in den United States (u.a. im Filmore Weste in
San Francisco) als Trio. Im Mai 1968 stieß Mason dann wieder zu Traffic
und im November erschien der zweite Traffic-Longplayer „Second Album“.
Außerdem veröffentlichte das Island-Label das Compilation-Album „The Best
of Traffic“. Der geschäftliche Erfolg von Traffic blieb allerdings
deutlich hinter den Erwartungen zurück. Es gab Spannungen und noch vor dem
Erscheinen des dritten Albums zerbrach Traffic im Januar 1969, das letzte
Traffic-Album „Last Exit“ wurde erst im Mai 1969 veröffentlicht.
Steve Winwood wurde es ohne eigene Band allerdings auch nicht langweilig.
Bereits zu Spencer-Davis-Zeiten war er als Gastmusiker auf den Alben
anderer Bands zu hören, wie z.B. bei Family’s „Scene Through The Eye Of A
Lens“ / „Gypsy Woman“ (1967). Allein 1969 wirkte Winwood dann bei
folgenden Produktionen mit: Spooky Tooth - „Spooky Two“, Joe Cocker - „With
A Little Help From My Friends“ und „Joe Cocker!“, sowie bei Gordon
Jackson’s „Thinking Back“. Das Magazin „Rolling Stone“ holte Steve Winwood
sogar auf die Titelseite.
Blind Faith
Im gleichen Jahr formierte Winwood mit Eric Clapton (Gitarre), Ginger
Baker (Schlagzeug) und Rick Grech (Bass) die neue Gruppe „Blind Faith“.
Clapton und Baker kamen von Cream. Baker hatte nicht nur durch sein
exzellentes Schlagzeugspiel und seine „Drum Battles“ Schlagzeilen gemacht,
auch sein Drogenkonsum war in der Presse breitgetreten worden. Die Presse
war der Meinung, dass wenn Musiker aus guten Bands zusammenspielen,
einfach ein noch besseres musikalisches Ergebnis zu erwarten sein müsste.
Dementsprechend wurde die neue Supergroup Blind Faith durch die Medien
gepusht - was auch eine enorme Nachfrage für ein Plattenalbum zur Folge
hatte.
Blind Faith begann mit einem fulminanten Start und spielte ihr
Debut-Konzert am 4. Juni vor 100.000 begeisterten Leuten im Londoner Hyde
Park. Bereits einen Monat später ging Blind Faith auf die erste US-Tournee
und im August erschien das Album „Blind“. Die erste LP sollte jedoch
zugleich auch die letzte dieser Band sein. Blind Faith konnte die (auch
dank der Presse) erheblich überzogene Erwartungshaltung nicht erfüllen -
besonders nicht im Live-Act auf der Bühne. Das Millionenunternehmen Blind
Faith scheiterte und die Band trennte sich wieder. Die Spencer Davis Group
war für Steve Winwood immer noch nicht ad acta gelegt: das Label Heavies
veröffentlichte eine alte Aufnahme der Band: „Back Into My Life Again“.
Das Jahr 1970 brachte eine weitere Veränderung: Winwood gastierte in der
Band „Ginger Baker’s Air Force“. Gleich im Januar spielte die Air Force
zwei Live-Konzerte in England - eines in der Stadthalle von Birmingham und
das andere in der legendären Royal Albert Hall in London. Im Juni erschien
die erste Langspielplatte „Ginger Baker’s Air Force“.
Traffic zum Zweiten
Obwohl sich Traffic 1969 aufgelöst hatte, erschien im Juli 1970 eine neue
Platte der Band: „John Barleycorn Must Die“. Das Album war ursprünglich
als Soloprojekt von Winwood mit dem Titel „Mad Shadows“ geplant. Aber
nachdem Winwood Jim Capaldi und Chris Wood gebeten hatte, bei den
Aufnahmesessions mitzuwirken, beschloss man, das Material als
Traffic-Projekt heraus zu bringen, und das zu Recht: das Album wurde zu
einer der bedeutendsten Traffic-Veröffentlichungen! Das erfreuliche
Nebenergebnis dieser Produktion: Traffic war auferstanden, das Album
schoss in die Hitparaden, die Band war in Europa und Amerika ein gefragter
Act.
Das Musikerkarussell bei Traffic drehte sich: Rick Grech übernahm 1970 den
Job als Bassist bei Traffic. 1971 fand man Jim Gordon an den Drums, Rebop
Kwaku Baah an den Percussioninstrumenten, Jim Capaldi war für die
Percussion und den Gesang zuständig. Dave Mason kam wieder als Gitarrist
zu Traffic, verließ die Band jedoch ein weiteres Mal im gleichen Jahr. Jim
Capaldi zu den häufig wechselnden Besetzungen: „Solange der Kern
zusammenbleibt, wird Traffic weiterbestehen!“ Das Traffic-Album „Welcome
To The Canteen“ ließ die Fans scharenweise in die Plattenläden strömen.
Dieses Live-Album war bei einer England-Tournee, die Traffic als Septett
absolvierte, mitgeschnitten worden. Mehrere große USA- und Europatourneen
belegen eindrucksvoll den Erfolg der Truppe. Traffic begeisterte
gleichermaßen Publikum und Kritiker. Die New York Times schrieb: „Winwoods
Songs, melodisch, jazznah und voll unvorhersehbarer Harmonien, gehören zu
den Sternstunden der zeitgenössischen Popmusik.“
Steve Winwood war während der ganzen Zeit zusätzlich bei zahlreichen
Fremdproduktionen ein hoch geschätzter Gastmusiker, so z.B. bei Leon
Russell, McDonald And Giles, Shawn Phillips, Jimi Hendrix, Howlin’ Wolf
und B.B. King. Traffic selbst veröffentlichte 1971 das Album „The Low
Spark of High-Heeled Boys“ und in den USA die Single „Rock & Roll Stew,
Part 1 / Part 2“. Das Jahr war allerdings nicht nur von Erfolgen gekrönt -
Steve Winwood erkrankte an Bauchfellentzündung und war dem Tod sehr nahe.
Gott sei Dank erholte er sich und blieb der Musikerwelt erhalten. Das Jahr
1972 war für Winwood durch zahlreiche „Side Projects“ mit Jim Capaldi,
Muddy Waters, Shawn Phillips, der Bonzo Dog Doo Daa Band und mit dem
London Symphony Orchestra geprägt. Nachdem Gordon und Grech Traffic
verlassen hatten und David Hood (Bass) sowie Roger Hawkins (Drums) neu
eingestiegen waren erschien die nächste Traffic Platte „Shootout At The
Fantasy Factory“ im Februar 1973. Winwood engagierte sich darüber hinaus
beim „Third World Project“, das vom Air Force-Bandmitglied Remi Kebska
geführt wurde. Traffic veröffentlichte das Live-Album „On The Road“,
Winwood glänzte weiterhin als Gaststar bei zahlreichen Produktionen, wobei
seine Mitwirkung bei Eric Clapton’s legendärem Rainbow Concert (am 13.
Januar 1973 live im Londoner Rainbow Theatre aufgezeichnet) eine besondere
Erwähnung finden muss. Am 31. August 1974 absolvierte Traffic die letzte
Live-Show beim Reading Festival am Ufer der Themse, im September erschien
das letzte Traffic Album „When The Eagle Flies“ auf dem Markt. In jenen
Jahren zählte Traffic zweifellos zu den populärsten Rockgruppen. Einflüsse
von Traffic fand man selbst noch in der Musik von späten
90er-Jahre-Künstlern wie Paul Weiler, Kula Shaker etc.
Die Jahre von 1973 bis 1977 zeugen von der großen Kontaktfreude und
Stilfalt Steve Winwoods. Er wirkte bei den unterschiedlichsten
Produktionen, u.a. von Muddy Waters / Howlin’ Wolf, Eddie Harris, Robert
Palmer, Vivian Stanshall, Rachid Bahri und bei Stomu Yamashta’s GO-Projekt
mit. Für das Pariser GO-Projekt hatte der Japaner Yamashta Musiker aus
unterschiedlichsten Rockmusikbereichen zusammengetrommelt: Mike Shrieve (Ex-Drummer
bei Santana zu Woodstock-Zeiten), den deutschen „Synthesizer-Guru“ Klaus
Schulze und eben Steve Winwood. Die Mischung aus japanischen,
lateinamerikanischen, deutschen und englischen Einflüssen und Ideen ergab
jede Menge neuer Ansätze und Synthesen und blieb auch bei Winwood nicht
ohne Wirkung - sein Interesse an der Elektronik wuchs, die elektronischen
Instrumente und der englische Tastenprofi schienen nur aufeinander
gewartet zu haben, erschlossen neue Ideen und Wege.
Erste Soloprojekte
1977 fand Winwood endlich die Zeit für ein eigenes Plattenprojekt. Seinen
ersten Auftritt als Solo-Artist absolvierte er in Rough Hill in den
englischen Cotswolds. Im Juni des Jahres erschien sein erstes Soloalbum,
schlicht betitelt „Steve Winwood“, mit Sessionmusikern eingespielt. Obwohl
die Platte von den Kritikern wohlwollend gelobt wurde, blieb der große
Verkaufserfolg aus. Winwood zog sich auf seinen Bauernhof zurück und
wirkte bei zahlreichen Plattensessions mit. In seinem Terminkalender
standen Projekte z.B. von Julie Covington, Jim Capaldi, George Harrison,
Mike Oldfield, Marianne Faithfull - Steve Winwood war bei der Crème de la
Crème der Popstars zu Hause.
Auch im Privatleben war ihm das Glück hold, er heiratete seine
amerikanische Freundin Nicole. Ungefähr zur gleichen Zeit lernte er den
Lyriker Will Jennings aus Los Angeles kennen, mit dem ihm seither eine
enge berufliche und sehr kreative Zusammenarbeit verbindet. Die Bedeutung
von Jennings geht weit über die bloße Anlieferung von Texten hinaus.
Winwood: „Im Grunde schreibt er die Worte, ich die Musik, aber wir
arbeiten eng zusammen. Manchmal schlage ich die Zeilen vor und manchmal
wirkt er am endgültigen Sound mit!“ Nach dem Kauf einer
16-Spur-Tonbandmaschine aus den Basin Street Studios richtete sich Steve
in einem Nebengebäude der Farm sein eigenes Studio ein. In Ruhe und ohne
den Stress des Showbiz konnte er nun konsequent an seinen Ideen, seinem
zukünftigen Sound und neuen LPs arbeiten. Zu Beginn der 80er Jahre konnte
Steve Winwood dann zahlreiche Plattenerfolge als Solist verbuchen.
Im Dezember 1980 veröffentlichte er sein zweites Soloalbum „Arc Of A Diver“.
Die LP war ein „pures“ Solo-Album, denn Winwood hatte das gesamte Material
selbst eingespielt. In den darauffolgenden Wochen stieg das Album bis auf
Platz 3 der Billboard Album Charts, verblieb insgesamt 43 Wochen in den
Charts. Die US-Single „While You See A Chance“ / „Vacant Chair“ (1980
veröffentlicht) stieg bis auf Platz 7 in den Billboard Hot 100 Charts,
verblieb 17 Wochen in der Wertung. „Arc Of A Diver“ / „Dust“ (1980 als
US-Single veröffentlicht) erreichte Platz 48 der Billboard Hot 100 Charts,
verbrachte 18 in den Ranglisten und kletterte bei Album Rock Charts bis
auf Platz 11.
Von Sänger Adam Ant erhielt Winwood indirekt ein dickes Kompliment.
Während einer Rundfunksendung über „Arc Of A Diver“ meinte Ant: „Ich weiß
nicht, wer der Kerl ist, aber er hat einen tollen Saxofonisten!“ Steve
durfte sich durchaus geschmeichelt fühlen, der Saxofonist war er quasi
selbst, er hatte die Saxofonlinien mit einem synthetischen Klang
eingespielt - offensichtlich perfekt und täuschend nah am Original.
Perfekte Tasten- und Synthesizerplatten gab es natürlich auch schon vorher
von anderen Interpreten, doch Winwood warf seine ganzen Erfahrungen aus
den Bandjahren, die Raffinessen aus der Traffic-Zeit, sein
überdurchschnittliches Gitarrenspiel, seine schwarze Soulstimme, seine
Virtuosität an der Orgel und sein einzigartiges Gespür für eingängige
Popmusik in die Waagschale und unterschied sich dadurch deutlich von
anderen Produktionen dieser Sparte. Der Erfolg von „Arc Of A Diver“
ermöglichte es Winwood, zu jener Zeit vertragslos, die Rechte an all
seinen Songs, die beim Musikverlag des Plattenlabels Island verlegt waren,
zurückzuerwerben.
Der Erfolg der zweiten Soloplatte bestärkte Winwood auch darin, den
begonnenen Solopfad weiterzugehen. 1982 erschien im September das nächste
Winwood-Soloalbum „Talking Back To The Night“, setzte die Erfolgsserie
Winwoods fort: Das Album blieb 25 Wochen in den Billboard Charts und
erreichte Platz 28 als Spitzenposition. Die US-Single „Still In The Game“
/ „Dust“ wurde allerdings nur eine Woche in den Billboard Hot 100 Charts
verzeichnet und zwar auf Platz 47. In den Billboard Album Rock Charts war
der Song erfolgreicher und gelangte bis auf Platz 8. Ein ähnliches Bild
ergab sich bei der nachfolgenden US-Single „Valerie“ / „Slowdown Sundown“
(ebenfalls 1982 auf den Markt gebracht): Sie erreichte Rang 70 in den
Billboard Hot 100 Charts, blieb nur 4 Wochen dort, kletterte aber in den
Billboard Album Rock Charts bis auf Platz 8.
Danach rückten erst mal wieder andere Vorhaben in Winwoods Blickfeld.
Neben Aufnahme-Sessions mit zahlreichen Künstlern, darunter Christine
McVie und David Gilmour, ist hier vor allem die Mitwirkung beim ARMS
Benefiz-Konzert 1983 zu nennen. Diese Initiative von Ronnie Lane
unterstützte die Multiple-Sklerose-Forschung. In der Londoner Royal Albert
Hall musizierte Steve Winwood (Gesang, Keyboard, Mandoline) in einer
Allstar-Besetzung Seite an Seite mit Eric Clapton (Gitarre / Gesang), Ray
Cooper (Schlagzeug / Percussion), James Hooker (Keyboard), Kenny Jones
(Schlagzeug), Andy Fairweather Low (Gitarre, Keyboard und Gesang),
Fernando Saunders (Bass / Gesang), Chris Stainton (Keyboard), Charlie
Watts (Schlagzeug), Bill Wyman (Bass), Jeff Beck (Gitarre / Gesang), Tony
Hymas (Keyboard), Ronnie Lane (Gesang), Jimmy Page (Gitarre) und Simon
Phillips (Schlagzeug). Die Aufzeichnung des Benefizkonzerts erschien 1984
als Video.
Nach einer Pause von 4 Jahren erschien im Juli 1986 das nächste Soloalbum
Winwoods „Back In The High Life“. Die Pause hatte nicht geschadet: Die
US-Single „Higher Love“ / „And I Go“ wurde zur Nr. 1 in den Billboard Top
100 Charts, Nr. 7 in den Billboard Adult Contemporary Charts und Nr. 1 in
den Billboard Album Rock Charts - ein umwerfender Erfolg. Die
Nachfolge-Single „Freedom Overspill“ / „Help Me Angel“ stieg auf Platz 20
in den Billboard Top 100 Charts, auf Platz 17 in den Billboard Adult
Contemporary Charts und Platz 4 in den Billboard Album Rock Charts. Privat
lief es weniger glücklich für Winwood: die Ehe mit seiner Frau Nicole
kriselte und 1986 wurde die Scheidung ausgesprochen. Doch auf Regen folgt
bekanntlich Sonnenschein - in New York lernte er die aus Nashville
stammende Eugenia Grafton kennen und heiratete sie 1987.
Winwood arbeitete wie gewohnt mit weiteren Musikersuperstars zusammen:
Billy Joel (The Bridge), Tina Turner (Break Every Rule) und James Brown (Gravity).
Seine eigene Karriere verlief parallel dazu äußerst erfolgreich weiter.
Die US-Single „The Finer Things“ / „Night Train“ kam auf Platz 8 in den
Billboard Top 100 Charts, auf Platz 1 in den Billboard Adult Contemporary
Charts und auf Platz 5 in den Billboard Album Rock Charts. Danach
kletterte die US-Single „Back In The High Life Again“ / „Night Train“ auf
Platz 13 in den Billboard Top 100 Charts, auf Platz 1 in den Billboard
Adult Contemporary Charts und auf Platz 19 in den Billboard Album Rock
Charts. Soviel Erfolg blieb nicht ohne entsprechende Würdigung. 1987 wurde
Steve Winwood insgesamt für sechs Grammies nominiert und gewann drei
davon: „Platte des Jahres“, „Beste männliche Popgesang-Performance“ für „Higher
Love“ und „Beste technische Plattenaufnahme“. Island Records
veröffentlichten eine Winwood-Solosong-Compilation unter dem Titel
Chronicles.
1988 wechselte Winwood vom Plattenlabel Island Records zum renommierten
Label Virgin Records. Er schloss einen Vertrag über 12 Millionen Dollar
und eine Tantiemen-Vereinbarung über 18 Prozent mit Virgin ab. Winwood:
„Ich habe 23 Jahre lang hart gearbeitet. Ich finde, es wurde langsam Zeit
für eine kleine Belohnung.“ Sein Song „While You See A Chance“ (aus dem
Album „Arc Of A Diver“) gewann den „Million Play Award“. Dazu der „Rolling
Stone“: „Eine feine Arbeit, deren Melodien man nie überdrüssig wird.“
Im Juni brachte Steve sein Album „Roll With It“ auf den Markt und allein
1988 kletterten drei US-Singles („Roll With It“ / „Don’t You Know The
Night Can Do?“ / „Holding On“) von ihm bis auf die Nummer 1 in den
verschiedenen Billboard Charts. 1989 arbeitete der Erfolgsmusiker u.a. mit
den Who (Rockoper „Tommy“) und Phil Collins (But Seriously) zusammen, 1990
erschien das nächste Soloalbum mit dem Titel „Refugees Of The Heart“. Die
US-Single „I Will Be Here“ (1991 veröffentlicht) erreichte in den
Billboard Adult Contemporary Charts allerdings „nur“ Platz 40 und es wurde
etwas ruhiger um Steve Winwood.
Traffic zum Dritten
1994 rief er, zusammen mit Jim Capaldi, die Formation Traffic wieder ins
Leben und im Juli wurde das Album „Far From Home“ veröffentlicht. Traffic
begeisterte das Publikum beim „Woodstock 25th Anniversary Concert“ und
tourte mit „Jerry Garcia And The Grateful Dead“ bei deren letzter Tournee.
Winwood zu seiner Solokarriere und zu Traffic: „Ich hatte während der
Produktion der letzten Traffic-Alben den Eindruck, dass Traffic und Steve
Winwood zu sehr zusammengewachsen waren. Das war der Grund, weshalb ich
mich entschloss, zwei völlig eigenständige Wesen zu bilden: zum einen
Traffic und zum anderen Steve Winwood ‚on his own’. Mit Traffic kann ich
Dinge ausprobieren, die als Solokünstler leider nicht möglich sind. Obwohl
die Arbeit mit der Band etwas weniger geworden ist, werde ich trotz meiner
Solokarriere damit weitermachen. Es macht mir Spaß, mit Jim
zusammenzuarbeiten und egal, ob es sich um die Musik an sich oder das
Texte schreiben handelt - ich werde immer wieder von ihm und durch ihn
inspiriert.“
Im März 1995 erschien die Winwood-Compilation „The Finer Things“ mit über
60 Songs auf 4 CDs und sorgte für rasante Verkaufszahlen. Erst im Juni
1997, über 30 Jahre nach dem Karrierebeginn Winwoods, erschien ein neues
Soloalbum - „Junction Seven“. Der Titel kam durch verschiedene
Verknüpfungen zustande: Es war Winwoods siebtes Soloalbum, die
Autobahnausfahrt Junction 7 benützt Winwood um zu seinem Zuhause in
Gloucestershire zu kommen und das Wort Junction (dt.
Verbindungspunkt/Kreuzung) deutet auf die Verschmelzung von
unterschiedlichsten Stilelemten hin. Winwood ließ sich dabei von
exzellenten Gastmusikern wie Lenny Kravitz, Jim Capaldi oder Des’ree
unterstützen. Bereits seit Jahren kümmerte sich Steve’s Ehefrau Eugenia um
geschäftliche Angelegenheiten. Bei diesem Album trat sie zum einen als
Projektmanagerin und zum anderen auch als Co-Writerin von 4 der 11 Songs
in Erscheinung. Steve: „Das war das erste Mal, dass wir die Songs zusammen
geschrieben haben.“ Und mit einem verschmitzten Lächeln fährt er fort:
„Die Anteile an den Verlagsrechten könnten wir ja vielleicht im Bett
ausarbeiten...“ Als Co-Produzent verpflichtete Winwood Narada Michael
Waiden, der über einen enormen musikalischen Background, angefangen vom
Mahavishnu Orchestra, über Weather Report und diffizilen Jazz bis hin zu
Whitney Houston verfügte. Eines der Highlights dieses Albums ist der Track
„Got To Get Back To My Baby“, aus dem Winwoods Liebe zu kubanischer Musik,
zum Salsa und den damit verbundenen Rhythmen spricht. Mit den kubanischen
Musikern Walfredo Reyes Jr. (Drums) und Walfredo Reyes Sen. (Timbales) kam
schnell pulsierendes Latin-Feeling auf.
Im August präsentierte Winwood den U2-Song „I Still Haven’t Found What I’m
Looking For“ beim „Seal at Songs & Vision Concert“ im legendären
Wembley-Stadtion. Zu filmischen Ehren gelangte Steve 1998 bei „Blues
Brothers 2000“ als Mitglied der „Lousianna Gator Boys Band“ (zusammen mit
Eric Clapton, B.B. King, Bo Diddley, Dr. John, Travis Tritt, Clarence
Clemons und Isaac Hayes). Für ein John-Lennon-Tribute-Album zeichnete er
seine Version von „Imagine“ auf, das Album blieb jedoch bis heute
unveröffentlicht. 1999 erschien das bereits im April 1996 in der Budokan
Hall in Tokio aufgezeichnete Album „Live At The Budokan“ der Band Chic.
Winwood hatte den Song „Stone Free“ dazu beigesteuert.
Am 4. Februar 2000 trat Steve Winwood beim NAMM - Millenium Concert
zusammen mit Kenny Loggins, Ray Charles, Patti LaBelle, James Ingram,
Toto, Patty Austin und Christopher Cross auf. Ein weiteres musikalisches
Highlight konnte er im Juni 2002 verzeichnen. Beim Konzert „Party At The
Palace“, zu Ehren des Jubiläums von Queen Elizabeth spielte er am
Buckingham Palace den legendären Spencer Davis Group-Hit „Gimme Some Lovin’“.
Bei verschiedenen anderen Acts saß er an der Hammondorgel: Joe Cocker („With
A Little Help From My Friends“), Ray Davies („Lola“), Paul McCartney („All
You Need Is Love“ und „Hey Jude“).
Nach einem Managementwechsel und der Veröffentlichung seiner eigenen
Internetseite wagte Steve Winwood auch einen musikalischen Neuanfang und
ging auf US-Tournee - und zwar mit einer neuen, eigenen Band, mit Jose
Neto, Walfredo Reyes Jr., Randall Bramblett und Edson „Café“ DaSilva. Es
entstand das Album „About Time“ - zur Präsentation führte Winwood und
seine Band im Juli eine Tournee nach Japan, Europa und durch die USA. Im
Oktober startete er die „Fall Tour 2003“, welche die Band durch kleinere
US-Theater führte. Neben dem neuen Songmaterial hatte sich Winwood auch
vorgenommen, ältere Stücke, die er bisher wenig live präsentiert hatte,
für das Publikum zu spielen. Seiner legendären Band Traffic wurde im
September 2003 eine besondere Ehre zu teil: sie wurde für die Zulassung
zur „Rock and Roll Hall of Fame“ nominiert - die erste Nominierung dieser
Formation.
Neben seinem genialen musikalischen Ruf haftet Winwood schon seit den
70ern der Ruf an, pressescheu und sehr zurückhaltend mit Auskünften über
sein Schaffen zu sein, bei vielen gilt er als der „große Schweiger“. Steve
widerspricht: „Ich kann mich sehr gut über alle möglichen Themen
unterhalten, nur nicht über meine Musik. Ein Gemälde, eine Skulptur oder
ein Song sollten doch etwas ausdrücken können, wofür es keine Worte gibt -
wie soll man dann darüber reden?“
Auch nach 4 Jahrzehnten Musikkarriere strotzt Steve Winwood vor
Kreativität und Elan, ist lernbegierig, präsentiert sich stets und gerne
als vollendeter Multi-Instrumentalist, ist stets für Überraschungen gut,
sucht fortwährend begeistert nach neuen Zielen und Herausforderungen. Er
ist und bleibt einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler der
Popularmusik. Eine Zeitungskritik brachte es auf den Punkt: „Winwoods Spaß
an der Musik steckt an!“ |