Ich bin ein Jazzer

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  Max Greger jun. im Interview mit Claus Riepe
   
 

Er hat vom berühmten Vater nicht nur den Namen sondern auch wohl dessen Musikalität geerbt. Und dabei ist Max Greger jr. als Künstler schon früh eigene Wege gegangen. Er hat sich besonders als Pianist, sowohl in der väterlichen Band als auch solo und in eigenen Formationen einen Namen gemacht, ist Arrangeur, Big-Band-Leader, Studiomusiker und Komponist – und im Laufe seiner Karriere auch immer wieder mit der Orgel in Berührung gekommen. Jetzt stand uns Max Greger jr. Rede und Antwort zu seiner Karriere und seinen aktuellen Projekten.

   
  Als in den 1970er Jahren es noch schöne Sitte war, dass im Fern-sehen die großen Shows von richtigen Orchestern bzw. Bands begleitet wurden, war auch das Orchester Max Greger auf dem Bildschirm allgegenwärtig. Und bereits damals sah man am Piano häufig einen jungen Mann sitzen, der dem Bandleader Max Greger wie aus dem Gesicht geschnitten zu sein schien. Dies war natürlich Max Greger jr, der 1951 in München geborene Spross des Orchesterchefs. Wenn man so einen Vater hat, dann ist es wohl vorprogrammiert, dass man auch selbst auf die „musikalische Bahn“ gerät. Und so wurde der junge Max bereits im Alter von 5 Jahren vom Vater ans Klavier geführt und lernte hier die ersten Boogie-Läufe. Bereits ein halbes Jahr später nahm Max dann den regelmäßigen Klavierunterricht auf. Was danach folgte, wie seine ersten Begegnungen neben dem Piano auch mit der Orgel waren, wie er zum langjährigen musikalischen Berater für den deutschen Orgelbauer Dr. Böhm wurde, wie er zu einer festen Größe in der deutschen Jazzszene wurde und was er heute macht, das lassen wir Max Greger jr. im folgenden Interview selbst erzählen:
Claus Riepe (CR): Max, wie bei so vielen Künstlern, die später auch in den Bereichen der Unterhaltungsmusik oder wie Du mittlerweile auch im Jazz gelandet sind, stand nach den ersten Gehversuchen eine intensive klassische Ausbildung am Beginn der Karriere?
Max Greger jr: (MG): Genau. Nach den Jahren des Klavierunterrichtes im Kindesalter begann ich dann ein Studium an der staatlichen Münchner Musikhochschule, Hauptfach Klavier und Kontrapunkt. Ich hatte das Glück, bei Frau Prof. Hindemith-Landes lernen zu dürfen, die damals eine Kapazität im klassischen Fach war. Sie war die Schwägerin von Paul Hindemith und eine hervorragende Klavierpä-dagogin. Bei ihrem Mann Rudolf, dem Bruder von Paul Hindemith habe ich ebenfalls einen Teil meines Klavierstudiums absolviert. Das war schon eine harte Ausbildung, das Pensum musste erfüllt werden und es gab da auch keine Entschuldigungen, die akzeptiert worden wären.
CR: Hatte man als Jugendlicher Spaß daran, tagein tagaus nur die Klassiker zu spielen?
MG: Das war manchmal schon schwierig. Natürlich begeisterten mich in diesen Teenagerjahren auch schon die angesagten Rockgruppen der Zeit wie die Stones oder die Beatles, später aber dann immer mehr Bands wie Chicago, Blood, Sweet and Tears oder Jimi Hendrix, Clapton oder Stevie Wonder. In dieser Zeit, ich war 16, gründete ich dann meine erste Schülerband. Dort spielte ich dann auf einem kleinen Hohner-Örgelchen und wir coverten die Hits der Zeit.
CR: Das war Deine erste Begegnung mit einer Orgel?
MG: Genau. Ich habe dieses Hohner-Teil bald wieder verkauft und mir eine Capri-Orgel zugelegt. Kennt die noch jemand? Das war eine italienische Firma, und die Orgel war ganz ähnlich den damaligen Farfisas, gar nicht mal so schlecht. Ich habe dann - Ebay gab es ja noch nicht – des Öfteren Tauschgeschäfte mit anderen Pianisten und Organisten gemacht, sodass noch einige andere Instrumente durch meine Finger gingen, so z.B. auch eine Welson Orgel oder auch eine Vox. Und dann kam die erste Hammond, eine tragbare – soweit man das so nennen darf – P 100. Mit der habe ich relativ lange gespielt, obwohl sie bei weitem nicht den Sound, die Perkussion usw. der großen Hammonds hatte. Neben den Orgeln gehörte aber auch ein Fender Rhodes, und ein Hohner Clavinet D6, das ja später zum wahren Klassiker avancierte zu meinem festen Instrumentarium. Stevie Wonder hat dieses Instrument sehr oft benutzt und sicher zur Popularität dieses Sounds beigetragen.
CR: Das ist ja schon eine interessante Orgelkarriere, dabei kennen die meisten Leute Dich doch in erster Linie als Pianisten. Du hast heute noch eine Hammond M-3, die Dich auch bereits lange Jahre begleitet?
MG: Die bekam ich 1970 und ich habe sie heute noch. Sie steht jetzt aus Platzgründen zusammen mit einem 240er Leslie bei meinen Eltern. Es ist schon interessant, ich spiele ja heute viel Jazz, Rhythm’ & Blues und solche Sachen Und häufig bitten mich Musikerkollegen mit denen ich zusammen spiele „Bring doch mal wieder Deine Hammond mit“. Aber meist scheitert das einfach an dem profanen Transportproblem. Flügel oder Klaviere stehen häufig an den Auftrittsorten parat, da muss man in der Regel nicht das eigene Instrument mitschleppen. Aber Hammonds sind da eher dünn gesät. Und wenn’s dann um das Schleppen der Orgel geht, haben alle Musiker plötzlich Kreuzschmerzen, seltsam (lacht). Als Piano verwende ich übrigens immer noch ein Technics Stage Piano, wenn mal wirklich kein Instrument vor Ort ist. Aber natürlich macht man da auch gegenüber den Stage Pianos der neusten Generation klanglich Kompromisse. Ich bin zurzeit auf der Suche nach etwas Neuem.
CR: Hast Du Erfahrungen mit den heutigen digitalen Hammond-Clones? Wäre das eine Alternative für Dich auf der Bühne?
MG: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich damit bisher noch nicht so intensiv beschäftigt habe. Ich weiß von Kollegen, die heute mit Masterkeyboards und Laptops auf die Bühne gehen, auf denen dann Software-Klangerzeuger wie B-4 usw. laufen. Ich höre aber immer mal wieder von den Problemen wie Abstürzen etc. die da passieren. Daher bin ich da sehr skeptisch. Ich bin nicht so sehr der Technik- und PC-Freak, der ständig mit diesen Dingen herumtüftelt. Ich habe auch schon den einen oder anderen Hardware-Hammond-Nachbau gespielt. Aber wenn ich dann wieder meine M-3 höre ist das doch immer noch etwas anderes. Ich werde mich aber auch mal mit den neuesten Produkten auf diesem Sektor beschäftigen.
CR: Kehren wir zur Karriere zurück. Wir waren Anfang der 70er Jahre angelangt und Du hast uns Deine damaligen musikalischen Favoriten aufgezählt. Die spielten ja eine ganz andere Musik als etwa Dein Vater damals mit seinem Orchester auf die Bühne brachte. Wie standest Du diesem doch eher traditionellen Stil des Tanzorchesters gegenüber?
MG: Ich hatte damals eine recht gute Beatband. Wir waren keine Revolutionäre, aber wir haben schon einen anderen Stil gepflegt als die üblichen „Beatbands“ wie es damals immer hieß. Dennoch habe ich die Arbeit meines Vaters immer akzeptiert, genauso wie er meine Musik akzeptiert hat. Er hat ja auch gesehen, dass ich zu dieser Zeit trotz der Band meiner weitere klassische Ausbildung – ich stand ja immer noch mitten drin – weiterhin gewissenhaft nachgekommen bin. Und letztlich war die Praxis, die ich durch die Schülerband zusätzlich erlangte durchaus wichtig für die musikalische Weiterbildung. Ich kann heute den Jungendlichen, die es musikalisch weiterbringen wollen nur empfehlen: gründet eine Band und übt fleißig. Das macht Spaß, man kann eine Menge ausprobieren und bleibt unter Gleichgesinnten länger bei der Stange. Das ist auf jeden Fall eine gute Ausbildung. Viele große Musiker sind diesen Weg gegangen und haben in jungen Jahren in solchen Formationen ihre ersten Sporen verdient. Du kannst nicht irgendwann aufstehen und sagen: „Jetzt bin ich Musiker“, Du musst da hineinwachsen, und das möglichst früh. Und das hat Max Greger sen. ebenso gesehen.
CR: Du bist dann ja auch in die Band Deines Vaters eingestiegen.
MG: Ja, das war 1970. Ich war 19 Jahre alt. Die Stelle des Pianisten in der Band wurde frei und ich stand praktisch über Nacht vor der Entscheidung, den Posten zu übernehmen. Das war damals natürlich schon recht ungewöhnlich, mit so jungen Jahren in ein solch etabliertes Ensemble einzusteigen. Und die Musiker, die waren ja alles Vollprofis und lange Jahre dabei, waren natürlich schon so ein wenig auf dem Standpunkt „Na schaun wir mal, was der da so fabriziert“. Ich war zu dieser Zeit noch nicht fertig mit meiner Ausbildung und hatte noch nicht die Routine der übrigen Bandmitglieder. Aber sie merkten schnell, der kann Notenlesen und hat schon einiges drauf. Und so hatte ich keine größeren Schwierigkeiten, mich in der Big Band zu behaupten und ging fortan mit meinem Vater und seiner Band auf Tournee. Das hat schon Spaß gemacht, es waren damals ja schon sehr hochkarätige Leute dabei wie Charlie Antolini am Schlagzeug oder Milan Pilar am Bass. Mit diesen Kollegen bildete ich die Rhythmusgruppe der Max Greger Band, gleichzeitig gründeten wir drei aber gleich unser eigenes Jazztrio. Wir nannten uns „Catch up“ und spielten einen recht, sagen wir mal futuristischen Stil. Es war kein Avantgarde, aber dennoch schon ein recht moderner Stil.
CR: In der Zeit warst Du mit der Greger-Band ja auch regelmäßiger Gast in verschiedenen Fernsehshows.
MG: Stimmt. Wir traten damals regelmäßig bei 3x9 mit Wim Thoelke oder Musik ist Trumpf mit dem unvergessenen Peter Frankenfeld auf.
CR: Konntest Du deine eigenen musikalischen Ideen in die Band einbringen?
MG: Oh ja! Bis dahin orientierte sich die Band sehr an den Vorbildern der Big Band Ära, Glenn Miller usw. Ich habe dann neue Elemente eingebracht, z.B. die Hammond eingeführt, die ich fortan regelmäßig neben dem Piano einsetzte. Außerdem habe ich auch gesungen, entweder als Background, oder Solonummern wie die bekannten Beatles-Nummern usw. Und so war ich Mitglied der Band, solange sie bestand.
CR: Gibt es heute denn keine feste Max Greger Band mehr?
MG: Die Big Band in der damaligen Form war wie viele andere in erster Linie eine reine Fernseh-Band. Irgendwann ereilte sie das gleiche Schicksal wie andere derartige Formationen. Fernsehproduktionen mit großen Besetzungen wurden immer mehr zurückgefahren, die Kosten waren den Sendern einfach zu hoch. Und so wurde der Vertrag mit meinem Vater – er war zu dieser Zeit Angestellter beim ZDF - durch den Sender irgendwann nicht mehr verlängert. Es gab da entsprechende Klauseln, an die ich mich jetzt aber auch nicht mehr im Detail erinnern kann. Mein Vater hat dann erst mal eine Pause eingelegt. Die hatte er sich auch verdient. Immerhin war er schon seit den50er Jahren laufend auf Tourneen, damals u.a. mit dem Schlagerexpress. Da wurden teilweise an einem Tag mehrere Konzerte gespielt, von 19.00 bis 21Uhr in dem einen und dann noch ab 22.00 Uhr bis 24.00 Uhr am nächsten Veranstaltungsort. So etwas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
CR: Hast Du diese Zeit als Kind bewusst miterlebt?
MG: Durchaus. Ich bin damals einige Male mit auf Tour gewesen. Das waren schon Erlebnisse. Da waren Leute dabei Freddy Quinn, Peter Alexander, Bill Ramsey, Trude Herr, Ted Herold, Peter Kraus, Lolita und und und. Alles was damals Rang und Namen hatte. Jeden Abend waren 4-5 Sänger oder Sängerinnen mit der Big Band auf der Bühne. Damals haben die natürlich noch nicht soviel verdient. Heute wäre das überhaupt nicht mehr bezahlbar.
CR: Wird man wehmütig, wenn man heute an diese Zeiten zurückdenkt?
MG: Ein wenig schon. Heute gibt es ja nur noch einige große Big Bands bei Radiosendern, etwa die WDR-Bigband, die SWR-Bigband und einige weitere. Aber im Grunde sagen sich die Macher in den Sendern doch heute: „Was brauchen wir eine Band? Geht doch alles mit Playback“. Und wenn ich heute eine Fernsehsendung anschaue, dann kommen all die Stars rein, stellen ihre neue CD vor und fahren dann ihre Playback Show ab. Da werden dann nur noch ein paar Statisten an ihren nicht angeschlossenen Instrumenten hingestellt, damit das irgendwie nach Band aussieht, traurig.
CR: Hast Du auch selbst schon als Bandleader und Arrangeur gearbeitet?
MG: Ja, ich habe beispielsweise Ende der 80er bis in die 90er hinein als Dirigent mit der SWR-Bigband gearbeitet. Wir haben damals verschiedene Tanzparty-Aufnahmen herausgebracht, die dann als Turnierplatten des ADTV verwendet wurden. Das hat immer eine Menge Spaß gemacht und ich bin mit den meisten Musikern immer noch gut befreundet.
CR: Standest Du eigentlich immer im Schatten Deines Vaters oder war das kein Problem?
MG: Das war für mich nie ein Problem. Das ist natürlich auch eine Generationsangelegenheit. Wenn heute z.B. mein Vater, Paul Kuhn und Hugo Strasser zusammen auf die Bühne gehen, dann stehen da wirklich drei Musiklegenden, die trotz ihres Alters wirklich live spielen. Das ist natürlich was Tolles und verdient Respekt und Anerkennung. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese 3 Musiklegenden einmal anzuschauen.
CR: Spielst Du neben den Tasteninstrumenten auch noch weitere Instrumente?
MG: Ich habe mal mit Saxophon angefangen und auch etwas Klarinette gespielt aber im Grunde sind die Tasteninstrumente bzw. natürlich hier das Klavier mein wichtigstes Instrument. Klassische Orgel habe ich nie explizit gelernt. Allerdings bin ich früher in unserer kleinen Gemeinde des Öfteren mal für den Organisten eingesprungen und habe hier die Kirchenorgel gespielt.
CR: Ich habe da im Schrank noch eine LP aus den frühen 80er Jahren stehen mit dem Titel „Fantasy, die Klangwelt großer Rockhits“, an den Keyboards Max Greger jr.
MG: Ja, ich war damals bereits Arrangeur und habe viel als Studiomusiker gearbeitet. Diese LP war aber nicht der Weg, den ich eigentlich gehen wollte. Man kann die Stimmen beispielsweise der Sänger, deren Titel wir nachgespielt haben nicht einfach so mit dem Synthesizer übertragen. Die LP klang zwar recht modern aber ich war nicht so überzeugt von dem Produkt. Sie war auch kein großer Erfolg. Es ist doch auch klar: Warum soll ich mir solche Synthe-Versionen anhören? Da kann ich doch besser zum Original greifen. Ich sehe das noch anders, wenn z.B. mein Vater auf seinem Saxophon eine Melodie spielt oder auch der Hugo Strasser auf der Klarinette. Nehmen wir ein Stück wie „Yesterday“ beispielsweise. Das muss ich als Instrumentalist erst einmal von der Melodie her gut spielen, damit es wirkt und wirklich etwas rüberkommt, genauso wie der Sänger eine interessante Stimme hat oder eher langweilt, je nachdem wie gut er sein Instrument Stimme und dessen Möglichkeiten beherrscht. Ein Saxophonist, ein Klarinettist oder auch ein Trompeter haben da natürlich Vorteile selbst gegenüber dem Klavier oder erst recht gegenüber dem Synthesizer oder anderen elektronischen Instrumenten. Er kann den Ton wesentlich stärker und unmittelbarer verändern, artikulieren und formen. Natürlich geht das bei den elektronischen Instrumenten wie Orgel oder Synthesizer in gewissen Grenzen auch, z.B. mit Pitchbender, Modulationsrad und diesen Dingen. Aber es bleibt doch gekünstelt. Der Bläser hat es hier leichter. Und hier schafft er sich auch seine Identität, die ihn unverwechselbar macht. Ein Hugo Strasser hat auch heute mit 85 noch einen Ton auf der Klarinette, der ganz charakteristisch ist, genauso wie man den Max Greger sen. an seinem Ton erkennt. Genauso ist es natürlich bei den Sängern, die man an ihrem Timbre und auch an ihrer Art zu artikulieren und zu phrasieren erkennt. Bei elektronischen Instrumenten ist das natürlich schwieriger, da kein so unmittelbarer Einfluss auf die Tonformung da ist.
CR: Eine interessante Sichtweise, vor allem wo wir jetzt zu einer Phase in Deiner Karriere kommen, die Dich wieder mit elektronischen Instrumenten, speziell Orgeln zusammengeführt hat. Max Greger jr. an der Dr. Böhm-Orgel. Wie kam der Kontakt zustande?
MG: Mich rief damals der – zwischenzeitlich schon verstorbene - Geschäftsführer von Böhm, Dr. Johann Schmid an, übrigens auch ein gebürtiger Bayer. Er lud mich ein und so fuhr ich nach Minden, wo damals noch die Zentrale war. Man wusste, dass ich viel Studioerfahrung hatte und professionell arbeitete und so erhielt ich einen Beratervertrag und nahm Einfluss auf die Gestaltung von Klängen usw. Wir haben eine Demonstrationsschallplatte aufgenommen, mit erläuternden Texten zwischen den Musikpassagen. Das klingt wenn man es heute hört vielleicht etwas lustig aber war damals doch recht gut produziert. Wir haben den Anfängern die Grundlagen einer elektronischen Orgel und natürlich die Klänge der damaligen Böhm-Orgeln aufgezeigt und erläutert. Die Orgeln waren damals gemessen am Stand der Technik wirklich gut. Ich hatte selbst eine Orchester 2002 zu Hause, auf der ich mich einspielen und Platten vorbereiten konnte. Das war ein Riesenapparat, aber schon toll. Der Sinus und die übrigen Klänge waren wirklich klasse und mit den Digital Drums, die Böhm damals herausbrachte habe ich viel gearbeitet, sogar im Studio. Der Klang von diesem Teil war einfach menschlicher als die meisten anderen damaligen Produkte. Teilweise haben wir Drumtracks einfach live über die Impulstasten ohne Sequencings usw. aufgenommen. Auch die Studioleute waren damals sehr angetan von dem Gerät.
CR: Es hat aber nie Konzerte mit Dir an der Böhm Orgel gegeben. Warum war das so?
MG: Das war in erster Linie ein zeitliches Problem. Ich war ja nicht exklusiv für Böhm tätig sondern meine anderen Projekte als Arrangeur und als Studio- bzw. Livemusiker liefen natürlich weiter. Da fehlte mir die Zeit, die technischen Möglichkeiten der Orgel bis ins letzte auszureizen und darauf ein Konzertprogramm aufzubauen. Dazu bin ich nicht der Organist, der mit den Fußbässen so versiert ist. Ich bin in erster Linie Pianist. Es war zeitlich auch nicht möglich, hier tiefer einzusteigen.
CR: Was kam nach Böhm?
MG: Meine Hauptprojekte liefen ja auch während des Vertrags für Böhm weiter. ich habe viel arrangiert, auch für meinen Vater, für Hugo Strasser, die SWR-Bigband und Rundfunkanstalten. Mir wurde übrigens damals die Nachfolge von Günther Noris als Bandleader der Bundeswehr-Bigband angeboten. Allerdings hätte ich mit meiner Familie nach Köln ziehen müssen, ich habe mich für Bayern entschieden. Deshalb habe ich das Angebot daher nicht angenommen.
CR: Heute bist Du wieder mehr selbst auf der Bühne zu hören?
MG: Ja, bereits ab etwa 1994 habe ich im Prinzip den Schritt zurück zu meinen musikalischen Wurzeln gemacht. Ich bin zum Jazz zurückgekehrt, den ich eigentlich immer am liebsten gespielt habe, aber in den Jahren zuvor auch aus kommerziellen Gründen leider etwas vernachlässigt hatte. Ich habe auch in diesen Jahren zwischendurch immer wieder in Jazzgruppen mitgewirkt. Seit Mitte der 90er bin ich zurück in dieser Szene und habe großen Spaß daran.
CR: Hast Du eine feste Band?
MG: Nein, ich wechsle sehr gern die Besetzungen. Ein festes Ensemble habe ich nicht. Natürlich gibt es aber auch einige Leute, mit denen ich regelmäßig immer wieder zusammenspiele. Aber wenn ich beispielsweise in Österreich oder im Stuttgarter Raum unterwegs bin, stehe ich in der Regel mit den dortigen Szenegrößen auf der Bühne. Die rufen mich dann beispielsweise an und fragen „Hast Du Lust?“ Und dann geht’s los. Das macht einfach Spaß. Wir spielen in der Regel Mainstream-Jazz, obwohl ich das Wort eigentlich gar nicht mag. Aber ich bin nun kein Avantgarde-Pianist oder Free-Jazzer. Es muss swingen, das ist das Wichtigste. Wir spielen häufig in kleineren Kulturhäusern und Jazzklubs, da passen gar nicht so viele Leute rein. Die Zuhörer sitzen fast mit auf der Klavierbank, so eng geht es da manchmal zu. Aber ich mag solche Events mit so einem unmittelbaren und ungezwungenen Kontakt zum Publikum. Das hat was.
CR: Welches sind Deine Vorbilder im Jazz?
MG: Ich bin ja in den 50ern groß geworden. Damals waren die großen Namen im Jazz Musiker wie Oscar Peterson, Errol Garner, Count Basie oder Duke Ellington. Da liegen meine Wurzeln. Diese Art von Musik versuche ich heute auf meine Art auch zu spielen.
CR: Du hast im Laufe der Jahre auch viele Kollegen selbst kennen gelernt oder gar mit ihnen zusammen gearbeitet. Wer ist Dir da begegnet?
MG. Oh, da gab es so viele. Da sind natürlich meine „Klavierfreunde“ wie Paul Kuhn oder die leider schon verstorbenen Kollegen Horst Jankowski und Eugen Cicero, mit denen ich gut befreundet war. Ich erinnere mich noch ehrfürchtig an frühere Fernsehsendungen. Da hat man so viele berühmte Leute getroffen, das war schon beeindruckend. Nur leben die meisten von Ihnen schon lange nicht mehr. Ich war damals beispielsweise in einer Sendung, da waren Leute wie Peter Kreuder, Franz Grothe, Michael Jary und Zarah Leander dabei. Wir haben hinterher noch feucht fröhlich an der Bar gesessen. Ich war gerade Mitte 20 und diese Künstler waren damals schon Legenden und zum Teil weit über 70. Das war schon beeindruckend für mich, diese Stars noch kennen gelernt zu haben. Das waren alles perfekte Musiker und Könner. Ich will nichts gegen heutige Schlagerkomponisten sagen und so ein Cherry Cherry Lady ist ja auch ganz nett, aber von einer Komposition kann man da eigentlich weniger reden. Wenn man heute manchmal das Radio anmacht, dann ist das schon traurig, was man da zum Teil zu hören bekommt. Aber dann gibt es auch wenigstens hin und wieder mal so Highlights wie beispielsweise den Roger Cicero (siehe OKEY 74), die dann aus dem Einerlei hervorstechen.
CR: Mittlerweile spielt auch Dein Sohn Max Greger jr. jr. hier und da mit, die Greger Generation Nr. 3?
MG: Ja, Max ist jetzt 24 und ein guter Musiker. Er spielt Gitarre und singt auch gut. Er hat z.B. eine perfekte Kopie von Dean Martin drauf. Seit drei Jahren bin ich um die Weihnachtszeit mit einer festen Formation, mein Sohn an der Gitarre, eine Sängerin aus Kanada und ein Bluessänger aus Bamberg, und ich am Klavier, unterwegs. Wir nennen das Programm „Swingin‘ Christmas“. Dieses Jahr waren es wieder 22 Termine, die wir absolviert haben. Das Programm besteht aus recht bekannten internationalen Weihnachtsliedern, also Sachen wie „Rudolph the red nose rendeer“, „Jingle Bells“, „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea, aber in erster Linie die bekannten Nummern, die schon Doris Day oder Dean Martin gesungen haben. Das kommt immer sehr gut an. Wir werden dieses Jahr wahrscheinlich wieder eine solche Tour machen. Die Verhandlungen laufen bereits jetzt schon wieder, obwohl das Jahr ja gerade erst begonnen hat. Aber die Vorlaufzeiten sind schon erheblich.
CR: Werdet Ihr auch im norddeutschen Bereich mit diesem Programm zu hören sein?
MG: Also in Düsseldorf werden wir auf jeden Fall sein, das ist schon sicher. Weitere Termine müssen noch geplant werden.
CR: Wo wird man Dich in der nächsten Zeit live sehen und hören können?
MG: Es gibt da einen neuen Jazzclub BIX – genannt nach dem Jazztrompeter Bix Beiderbecke - in Stuttgart, wirklich ein toller Jazzklub. So etwas haben wir selbst in München nicht. Da werde ich spielen und freue mich schon sehr darauf.
CR: Gibt es aktuelle Tonträger?
MG: In zwei Monaten wird es eine neue CD mit einigen hervorragenden Musikern aus der Wiener Jazzszene geben. Da spiele ich auf einem Yamaha Flügel. Diese CD wird aber nur im Eigenvertrieb erscheinen. Bei einem ähnlichen Projekt in der Vergangenheit hatte ich auch die Hammond eingesetzt. Diese CD ist aber nicht mehr erhältlich.
CR: Die neue CD würden wir dann natürlich auch gern in den OKEY Shop aufnehmen. Gibt es schon einen Titel dafür?
MG: Ja, diese CD wird „My foolish heart” heißen und ein buntes Programm aus Jazzstandards enthalten.
CR: Dann freuen wir uns darauf! Max, ich danke Dir für das interessante Gespräch!
   
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